ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2004Embryonen: Bloße Darstellung der verschiedenen Positionen

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Embryonen: Bloße Darstellung der verschiedenen Positionen

Dtsch Arztebl 2004; 101(12): A-784 / B-647 / C-631

Haasis, G.

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LNSLNS Es ist Professor Schröder zu danken, dass er mit seinem Kommentar das Papier der Kammer für Öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland vorstellt. Leider ist ihm als Mitautor dieses Papiers offenbar verwehrt, über eine bloße Darstellung der verschiedenen Positionen in dieser Kammer hinauszugehen. So bleibt schleierhaft, warum die Darstellung der einen Position, dass jeder Embryo von der Verschmelzung der Keimzellen an als Mensch anzusehen ist, mit
dem Schluss versehen wird, dass Embryonen, die im Rahmen der IVF nicht transferiert werden können, vernichtet werden müssen. Die praktische Konsequenz müsste doch viel mehr die Forderung nach einer Reduzierung der Embryonenproduktion sein. In der ethischen Diskussion müsste neben den aktuellen Entwicklungen auch die alltägliche Praxis der IVF hinterfragt werden, zumal mit ihren Randerscheinungen, wie gehäuften Mehrlings- und damit Problemschwangerschaften sowie der Fetusreduktion. Die andere Position spricht nur dann von (sich entwickelnden) Menschen im Bezug auf Embryonen, wenn die äußeren Umstände, nämlich zur Weiterentwicklung bis zur Geburt, stimmen oder, wie im Kommentar auch formuliert wird, wenn der Embryo eine Mutter findet. Lebensschutz und -recht werden hier mit dem Aufenthaltsort (verkürzt: in utero ja – in vitro nein) verknüpft – hier würde mich der Kommentar eines Juristen interessieren! Noch brisanter:
die Abhängigkeit des Lebensrechts von der Annahme durch einen anderen, hier der Mutter. Wenn bisher die Menschenwürde die Annahme des anderen als Mitmensch geboten hat, verleiht jetzt die mitmenschliche Annahme erst die Menschenwürde! Nicht unbedingten Lebensschutz verdienten diese unangenommenen Embryonen, dennoch aber Respekt. Was aber ist Respekt auf Zeit wert, der jederzeit mit dem Leben entzogen werden kann? Diese Position birgt Gefahren in sich: Wie ergeht es dann Menschen, die nicht (mehr) einwilligungsfähig sind, deren (geistige) Entwicklung mehr oder minder im Abbau ist und die durch Angehörige und Gesellschaft keine Annahme mehr erfahren? Kommt dann der Senizid? Die aktuelle Gesetzgebung im nahen europäischen Ausland lässt Schlimmstes befürchten.
Dr. med. G. Haasis,
Senator-Theil-Straße 4, 28279 Bremen
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    Dtsch Arztebl 2004; 101(21): A-1502 / B-1246 / C-1197
    Schröder, Richard

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