SUPPLEMENT: Geldanlage

Geldanlage: Gewinne mit Verlusten

Dtsch Arztebl 1996; 93(40): [19]

PJ

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LNSLNS In den USA ist jeder Spekulationsgewinn zu versteuern. Der deutsche Fiskus ist großzügiger und wertet Geschäfte privater Anleger nur innerhalb bestimmter Zeiträume als Spekulation. Dadurch ergeben sich für Anleger interessante Gestaltungsspielräume – noch dazu, wenn sie ihre steuerlichen Freigrenzen oder beispielsweise bei Aktien die Möglichkeit zu Verkaufsoptionen nutzen.


Grund zur Freude haben Anleger, die Anfang 1996 auf deutsche Chemikalien gesetzt haben: Die meisten Papiere kletterten inzwischen um mehr als 30 Prozent, einige Spezialtitel verzeichneten sogar noch höhere Kursgewinne. Dabei stellt sich die Frage nach der Besteuerung. Im Grundsatz gilt: Spekulationsgewinne sind "Sonstige Einkünfte" und unterliegen somit zwar nicht dem Zinsabschlag, wohl aber der Einkommensteuer.
Davon betroffen sind im übrigen nicht nur Spekulationsgewinne mit Aktien, sondern auch solche aus anderen sogenannten "Veräußerungsgeschäften". Verkauft etwa ein Steuerzahler ein Schrottauto innerhalb kürzester Zeit zu einem hohen Preis, handelt es sich dabei ebenso um ein Spekulationsgeschäft.
Während jedoch etwa in den USA jeglicher Spekulationsgewinn steuerpflichtig ist, zeigt sich der deutsche Fiskus zumindest bei privaten Transaktionen großzügiger: Nur wenn zwischen Kauf und Verkauf des Objektes ein Zeitraum von maximal sechs Monaten liegt, wird der Deal als Spekulationsgeschäft eingestuft. Lediglich bei Immobilien gilt eine Frist von zwei Jahren. Verkauft also ein Anleger seine Aktien erst nach beispielsweise acht Monaten, ist ein eventueller Veräußerungsgewinn steuerfrei. Gerade diese Tatsache macht Aktien so interessant: Selbst wenn die Dividende niedrig ist und auch die Nebenerträge wie etwa Bezugsrechtserlöse eher mager ausfallen, rechnet sich der Erwerb nach Steuern schnell.
Im übrigen gibt es eine Möglichkeit, den Aktienbestand über die Sechs-Monate-Frist hinaus zu "retten" und dennoch die erzielten Buchgewinne festzuschreiben: Mit dem Kauf einer Verkaufsoption sichert sich der Anleger das Recht, die Aktie zum festgeschriebenen Basispreis zu verkaufen, und dies unabhängig davon, wie teuer das Papier an der Börse tatsächlich ist.
Ein Beispiel (Stand: Juli 1996): Eine Verkaufsoption für BASF-Aktien – Kurs: rund 43 DM – mit dem Basispreis 44 DM und einer Laufzeit bis zum September 1996 kostet an der Deutschen Terminbörse 1,08 DM. Der Anleger, der das BASF-Papier möglicherweise im Frühjahr 1996 zu 37 DM erworben hat, sichert sich damit das Recht, die Aktie auf jeden Fall zu 44 DM zu verkaufen, so daß er nach Abzug der gezahlten Optionsprämie garantiert 42,92 DM dafür erhält – selbst wenn der BASF-Kurs auf 38 DM zurückfallen sollte. Steigt indes der Kurs weiter auf 48 DM, läßt er die Option ersatzlos verfallen und profitiert allein vom Kursanstieg der Aktie. Die gezahlte Prämie von 1,08 DM war dann quasi die "Versicherung" gegen fallende Kurse.
Neben der Spekulationsfrist gibt es auch eine Freigrenze: Hat ein Steuerzahler mit allen Spekulationsgeschäften in einem Kalenderjahr weniger als 1 000 DM verdient, unterliegt der Ertrag keiner Steuer. Dabei handelt es sich jedoch um eine Freigrenze, bei deren Erreichen der gesamte Ertrag steuerpflichtig wird, also nicht nur der Überschuß.


Spielraum für zwei
Insbesondere für Ehepaare ergibt sich daraus Gestaltungsspielraum: Haben beide Ehepartner Spekulationsgeschäfte vorgenommen, gilt für jeden die Freigrenze von 1 000 DM. Vorzugsweise sollte dann aber stets mit getrennten Depots gearbeitet werden.
Eine weitere Chance: Realisierte Spekulationsverluste können im selben Kalenderjahr gegen realisierte Spekulationsgewinne aufgerechnet werden. Hat also ein Anleger mit den meisten seiner Papiere satte Gewinne innerhalb der Spekulationssteuerfrist eingefahren und möchte er diese realisieren, kann eine frühzeitige Trennung von anderen, verlustreichen Positionen durchaus sinnvoll sein – sofern die Papiere noch keine sechs Monate im Depot sind. Gleiches gilt, wenn Spekulationsgewinne aus anderen Bereichen vorliegen: Hat ein Investor eine Immobilie innerhalb der hier geltenden Zwei-Jahre-Frist mit Gewinn verkauft, kann er realisierte Verluste aus Aktien-Spekulationsgeschäften aufrechnen lassen.
Nicht möglich ist es allerdings, eingetretene Spekulationsverluste gegen andere Einkunftsarten aufzurechnen: Realisierte Kursverluste etwa aus Aktien können also nicht gegen die Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren oder gar gegen Einkünfte aus selbständiger Arbeit aufgerechnet werden. Einzige Ausnahme: Zählen die Wertpapiere zum Betriebsvermögen, mindern Verluste den Ertrag. Allerdings gilt dann auch weder eine Freigrenze für Spekulationsgewinne noch eine Frist, nach der die Gewinne steuerfrei eingenommen werden können: Profite aus Anlagen des Betriebsvermögens unterliegen stets in voller Höhe der Besteuerung. PJ

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