ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2004Kongressbericht: Diagnostik und Therapie von Weichteilsarkomen

MEDIZIN: Kongressberichte und -notizen

Kongressbericht: Diagnostik und Therapie von Weichteilsarkomen

Dtsch Arztebl 2004; 101(12): A-803 / B-665 / C-649

Peiper, Matthias; Knoefel, Wolfram Trudo

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die mangelnde Umsetzung von Leit- oder Richtlinien zur Diagnostik und Therapie von Weichteilsarkomen war ein Themenschwerpunkt beim 9. Jahrestreffen der Connective Tissue Oncology Society (CTOS), das vom 6. bis 8. November 2003 in Barcelona stattfand.
Therapieleitlinien
In einigen Ländern existieren Vorgaben unterschiedlicher Art wie beipielsweise Leitlinien oder Richtlinien, in denen angegeben wird, wie Patienten mit Weichteilsarkomen (WTS) zu behandeln sind. Ziel solcher Richtlinien ist zum einen die Verbesserung der Behandlung von Patienten mit WTS, um ein längeres Gesamtüberleben erreichen zu können, und
zum anderen eine Optimierung der Diagnostik. Schließlich dienen sie als Stimulus für die Durchführung von klinischer und grundlagenwissenschaftlicher Praxis. So sind insbesondere in den Niederlanden und in Schweden einschlägige Richtlinien publiziert worden.
Die Analyse von Patienten, die von 1995 bis 1998 in Holland in der Region des Tumorzentrums Amsterdam (Comprehensive Cancer Center Stedendriehoek) durchgeführt wurde, spiegelt jedoch ein Bild wieder, dass noch weit von den genannten Zielen entfernt ist. Untersucht wurden dabei alle Patienten, die im gesetzlich vorgeschriebenen (und penibel eingehaltenen) nationalen Tumorregister gemeldet worden sind und in 20 Krankenhäusern, 2 Universitätskliniken und bei allen niedergelassenen Ärzten wegen der Erstdiagnose eines WTS behandelt wurden. Lediglich bei 42 Prozent aller Patienten wurden die recht großzügig gehaltenen Vorgaben befolgt. Die Richtlinien zur Biopsie vor einer endgültigen Resektion wurden bei allen Tumoren > 5 cm (T2) nur bei zehn Prozent der Sarkome durchgeführt. Bei der Hälfte aller Patienten mit G3-Weichteilsarkomen war keine postoperative Strahlentherapie veranlasst worden. Dies hatte nach den Ausführungen von Frits van Coevorden, Amsterdam, zur Folge, dass immerhin 38 Prozent der Patienten nach Vorliegen des histopathologischen Befundberichts erneut operiert werden mussten. Auch wenn eine Nachresektion mit einer optimierten Resektionsrate assoziiert ist, überwiegen dennoch die Nachteile für den Patienten mit einer erneuten Operation, einem verlängerten Kranken­haus­auf­enthalt und gegebenenfalls schlechterem Gesamtüberleben. Weiterhin war bei 53 Prozent der Patienten mit R1-reseziertem Sarkom keine postoperative Strahlentherapie durchgeführt worden, 31 Prozent der Patienten wurden zu keinem Zeitpunkt dem hierfür spezialisiertem regionalen Zentrum vorgestellt. Ähnliche Zahlen wurden von Jane Lothian vom North England Bone and Soft Tissue Tumour Service vorgetragen. Hier wurden 40 Prozent der Patienten mit WTS nie einem Sarkomspezialisten vorgestellt, weitere 30 Prozent erst nach einem mittleren Intervall von 68 Tagen.
Behandlung in spezialisierten Zentren
Alle Referenten unterstrichen die Tatsache, dass Patienten mit einer suspekten Raumforderung verdächtig für ein Weichteilsarkom sind und unverzüglich einem spezialisierten Zentrum vorgestellt werden sollten. Die Literatur bietet genügend Evidenz, dass nur die Behandlung von Weichteilsarkomen in einem darauf spezialisiertem Zentrum eine optimale Behandlung dieser Tumorentität bietet, wobei die zuweisenden Ärzte eng in das diagnostische und therapeutische Konzept mit eingebunden werden müssen. Jeder Tumor mit einem Durchmesser von mehr als 5 cm, darüber war sich das Auditorium einig, und jeder unterhalb der oberflächlichen Körperfaszie gelegene Tumor ist suspekt. Auch eine schmerzhafte Weichteilschwellung, erklärte Anders Rydholm, Lund, Schweden, sollte nicht erst ambulant oder von einem hierin unerfahrenem Team anbehandelt werden, sondern unverzüglich an das nächste WTS-Zentrum überwiesen werden.
Histopathologische Diagnostik
Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war die Frage nach der optimalen Gewinnung von Tumormaterial zur histopathologischen Diagnostik.
Während früher die Feinnadelaspirationszytologie (FNA) häufig war, wurde diese in den vergangenen Jahren von der Stanzbiopsie (CNB) abgelöst. Durch die FNA kann zwar immerhin bei 98 Prozent der Patienten die Diagnose „WTS“ richtig gestellt, jedoch nur bei 72 Prozent die exakte histopathologische Zuordnung getroffen werden, berichtete Mans Akermann, Lund, Schweden.
Mithilfe beispielsweise der Truecut-Nadel kann diese Information auf 99 Prozent der richtigen Diagnose „WTS“ und 91 Prozent der genauen Typisierung gesteigert werden. Dabei bietet die CNB den Vorteil, für weitere immunhistochemische Untersuchungen zumeist mehr Material zur Verfügung zu haben. Die Biopsie selber sollte jedoch, darauf wurde verstärkt hingewiesen, von dem dann operierenden Chirurgen durchgeführt werden. Auch wenn noch keine Daten über das Setzen von Implantationsmetastasen vorliegen, sollte bei mehreren Tumorpunktionen stets die gleiche Inzision als Zugang gewählt werden. Diese ist dann so zu markieren, dass bei definitiver chirurgischer Versorgung die Inzision exzidiert werden kann.
Brian Rubin, University of Washington, Seattle, USA gab einen Ausblick auf die künftigen molekularen Diagnostiken. Die Einführung der Gene Arrays und der genetischen Profilierung eines Tumors erlaubt die Charakterisierung eines Genexpressionsschemas unterschiedlicher Tumoren sowie die Inspektion der in die Tumorgenese involvierten Gene. Die Einführung dieser Techniken in die Routineuntersuchungen wird nach Ansicht Rubins zu einer neuen molekularen Subklassifikation der Weichteilsarkome führen. Insbesondere, meinte Rubin, wird es so möglich sein, neue Schlüsselwege als mögliche Ansatzpunkte für therapeutische Ziele zu identifizieren. Dies erwartet Rubin bei den WTS innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre.

Anschrift für die Verfasser:
Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Peiper
Klinik für Allgemeine und Viszeralchirurgie
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
E-Mail: matthias.peiper@uni-duesseldorf.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema