ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 2/1996Alterssicherung: Was tun, wenn die Lebensversicherung fällig wird?

SUPPLEMENT: Geldanlage

Alterssicherung: Was tun, wenn die Lebensversicherung fällig wird?

Dtsch Arztebl 1996; 93(40): [22]

AL

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LNSLNS Von einem sorgloseren Leben träumt man, wenn die Lebensversicherung nach vielen Jahren fällig wird. Doch für manchen fangen die Sorgen dann erst an: Wohin mit dem vielen Geld? In Frage kommt mehreres: abgezinste Sparbriefe, ein Haus, für manchen auch eine Rente. Angebotsvergleiche lohnen auf jeden Fall.


Meist ist die ausbezahlte Lebensversicherung die größte Geldsumme, über die der Versicherungsnehmer auf einen Schlag je zu verfügen hatte. In der Regel dient der Betrag zwar als Altersvorsorge, aber wenn das Rentenalter noch nicht erreicht ist, muß eine rentierliche Zwischenanlage gewählt werden. Dafür bieten sich unter steuerlichen Aspekten abgezinste Sparbriefe (Mindestlaufzeit in der Regel vier Jahre) an oder Zerobonds. Bei beiden Arten von Wertpapieren wird der Zins am Ende der Laufzeit mit der Rückzahlung des Kapitals entrichtet. Der Vorteil: Die Zinszahlung wird auf diese Weise auf einen Zeitpunkt verlegt, in dem kein Arbeitseinkommen mehr bezogen wird und dementsprechend die Steuerbelastung niedrig ist.
Die Versicherungen selbst haben natürlich ein großes Interesse daran, das auszuzahlende Geld in der eigenen Verwaltung zu halten, und bieten an, statt des einmaligen Betrags eine lebenslange Rente auszuzahlen. Aber hier sollte genau kalkuliert, und es sollten auch Gegenangebote eingeholt werden. Denn der Auszahlungsbetrag kann auch bei einer anderen als der ursprünglichen Versicherung zum Abschluß einer Rentenversicherung gegen Einmalzahlung verwandt werden. Auch hier sind wie in allen Lebensversicherungen die Leistungen sehr unterschiedlich (siehe Tabelle). Der Vorteil einer lebenslangen Rente besteht darin, daß nur der Ertragswert versteuert werden muß. Dieser richtet sich nach dem Lebensalter, in dem die Rente beginnt. Beginnt die Rentenzahlung mit dem 65. Lebensjahr, beträgt der Ertragswert 27 Prozent. Soll die Rentenzahlung aber schon mit dem 60. Lebensjahr anfangen, sind 32 Prozent als Ertragswert zu versteuern.


Hauserwerb
Sinnvoll kann es auch sein, eine selbstgenutzte Immobilie zu erwerben. Ein eigenes Haus sichert das Wohnen im Alter und macht unabhängig von den Unwägbarkeiten des Wohnungsmarktes. Auch steuerlich ist die eigene Wohnung interessant. Denn die Eigennutzung einer Immobilie unterliegt keiner Besteuerung. Die Anlage des Geldes in einer Immobilie zum Vermieten lohnt sich dagegen in der Regel nicht, weil die steuerlichen Vorteile (Abschreibungen, Finanzierungskosten) kaum mehr in dem gewünschten Maße genutzt werden können. Und wenn die Abschreibungsmöglichkeiten der ersten Jahre verbraucht sind, unterliegen die Mieteinnahmen unvermindert der Steuer. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit dem Geld aus der Lebensversicherung einen Entnahmeplan bei einer Investmentgesellschaft abzuschließen. So wie die Fondsgesellschaften Sparpläne anbieten, auf die jeden Monat ein bestimmter Betrag zur Anlage in Fondsanteile eingezahlt werden kann, so gibt es auch Entnahmepläne, bei denen der Sparer jeden Monat einen bestimmten Betrag ausbezahlt erhält. In entsprechendem Umfang verkauft die Fondsgesellschaft regelmäßig Fondsanteile. Solche Auszahlpläne werden von einigen Fondsgesellschaften schon ab 15 000 DM angeboten. Einige geben auch monatliche Mindestentnahmebeträge vor.
Entnahmepläne gibt es für alle Fondsarten: Aktienfonds, Rentenfonds und offene Immobilienfonds. Abzuraten ist aber von Entnahmeplänen für Aktienfonds. Denn hier kehrt sich das Cost-average-Prinzip um. Bei niedrigen Aktienkursen müssen mehr Anteile verkauft werden als bei hohen, wenn der Anleger immer einen gleichbleibenden monatlichen Betrag zum Konsum entnehmen will. Dies führt dazu, daß der durchschnittliche Verkaufskurs unter den Durchschnittskurs fällt. Auch Rentenfonds können allerdings erheblichen Kursschwankungen unterliegen, wie das Rentencrashjahr 1994 gezeigt hat. Sie eignen sich daher auch nur bedingt für Entnahmepläne. Gleichsam prädestiniert für Entnahmepläne sind Anteile an offenen Immobilienfonds. Sie haben seit rund 30 Jahren jährlich Zuwachsraten erzielt. Es wirkt sich hier also nicht das umgekehrte Cost-average-Prinzip aus. Schwankungen gibt es nicht bei den Anteilspreisen, wohl aber beim Wertzuwachs. Entnahmepläne sind andererseits sehr flexibel zu handhaben. So ist es möglich zu vereinbaren, in einer bestimmten Zeit – etwa 15 Jahren – das gesamte Kapital aufzuzehren. Es gibt Entnahmepläne mit teilweisem Substanzverzehr und solche, bei denen der Kapitalstock unangetastet bleibt. Wird der letztere Fall gewünscht, muß der Kapitalstock natürlich wesentlich höher sein, um über längere Zeit Raten entnehmen zu können.
Entnahmepläne haben gegenüber einer Rente gegen Einmaleinzahlung den Nachteil, daß kein monatlicher Betrag garantiert werden kann. Aber das ist auch nicht bei jeder Versicherungsrente der Fall. Eine Garantie können die Versicherungen nur über einen Betrag aussprechen, der mit Sicherheit langfristig zu erzielen ist. AL

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