ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2004Krankenhäuser/Patientenaufnahme: Es bleibt noch viel zu tun

POLITIK

Krankenhäuser/Patientenaufnahme: Es bleibt noch viel zu tun

Dtsch Arztebl 2004; 101(14): A-904 / B-757 / C-737

Riegl, Gerhard F.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Hohe Effizienzreserven durch neue Kultur der Zusammenarbeit von Kliniken und Einweisern

Die ersten Stunden bei Aufnahme in einer Klinik sind nicht nur für Patientenzufriedenheit und medizinischen Erfolg extrem wichtig. Wie jetzt in einer bundesweiten Benchmark-Untersuchung für 150 Krankenhäuser vom Augsburger Institut, Prof. Gerhard F. Riegl, nachgewiesen, stekken in dieser Phase Chancen zur Aufwertung der Einweiser sowie bedeutende wirtschaftliche Effizienzreserven für Kliniken.
Kosten- und Zeitersparnisse
Die Forschungsergebnisse wurden zu Beginn der obligatorischen DRG-Anwendung und der zunehmenden Vernetzung, Integrierten Versorgung und der erweiterten Öffnung der Krankenhäuser für die klinikambulante Versorgung vorgestellt. Bei der Initiative „Patientenaufnahme als Erfolgszentrum für Kliniken“ wurden beachtliche Kosten- und Zeitersparnisse, Mitarbeiterentlastungen im Aufnahmebereich, Verbesserungen des Workflows, Verkürzung der Verweildauern, Chancen für bessere Einweiserkooperationen und Zufriedenheitssteigerungen bei Patienten ermittelt.
In Deutschland könnten 450 Millionen Euro Effizienzreserven allein im Krankenhaussektor erschlossen werden, sofern sich geplante Patienten (60 Prozent der stationären Fälle) vorher vorstellen und aufklären ließen. Im Durchschnitt kennen diese Patienten elf Tage vorher ihren Aufnahmetermin. Eine mittlere Wohnortentfernung zur Klinik von 18 Kilometer sollte prästationäre Kontakte mit der Klinik in jedem Fall zulassen. Bisher kommen jedoch 29 Prozent der elektiven Patienten unvorbereitet zur Aufnahme und lösen damit teure, unbezahlte Verzögerungen von bis zu einem Tag aus. Die Aufenthaltszeit dieser Patienten von durchschnittlich 6,8 Tagen verlängert sich um bis zu einen Tag, weil beispielsweise nicht pünktlich operiert oder behandelt werden kann. Dies entspricht einer bis zu fünfzehnprozentigen Verlängerung der Gesamtverweildauer mit unbezahlten Mehrkosten.
Stationäre Verweildauern können patientenorientiert verkürzt werden, wenn:
- die prästationären Beratungen ausgebaut werden, sagen 59 Prozent der Klinikbeschäftigten;
- die Inflexibilitäten der Funktionsdiagnostik abgebaut werden (zu kurze „Ladenschlusszeiten“ in einzelnen Abteilungen), sagen 36 Prozent der Klinikbeschäftigten;
- bessere Zusammenarbeit des aufnehmenden Konsiliararztes interdisziplinär mit Ärzten aus den Kliniken verwirklicht wird, sagen 31 Prozent der Befragten;
- bessere Zusammenarbeit von Pflege und Ärzten auf der Station speziell bei Aufnahme von Patienten stattfindet, betonen 30 Prozent der Krankenhausbeschäftigten;
- Doppelbefragungen von Patienten zum gleichen Thema abgebaut werden, sagen 15 Prozent der Patienten.
Effizienzsteigerung notwendig
Patienten könnten ohne weiteres mehr Mitbringbares aus ihrer Vorbehandlung beisteuern. Derzeit wird lediglich 33 bis 50 Prozent dessen mitgebracht, was zur Klinik-Effizienzsteigerung gut wäre. Defizite bestehen bei:
- mehr schriftlichen Hintergrund-Informationen zum Behandlungsfall: dies fordern 73 Prozent der Kliniker, bringen aber nur 35 Prozent der Patienten mit;
- zeitnahen Befunden: dies fordern 70 Prozent der Kliniker, bringen aber nur 24 Prozent der Patienten mit;
- brauchbaren EKGs, Röntgenbildern und Laborergebnissen: dies fordern 78 Prozent der Kliniker, bringen aber nur 28 Prozent der Patienten mit;
- noch weniger Doppeluntersuchungen in Klinik und Praxis wünschen 20 Prozent der Patienten.
Mit ambulant aufgeklärten Patienten lassen sich stationäre Kosten senken: Die Kliniker fordern je Patient 2,7 zusätzliche Aufklärungsschriften oder Checklisten. Wartezeiten im Krankenhaus sind nicht nur ein Ärgernis für Patienten, sondern auch ein Kostenfresser für Krankenhäuser. Jede Stunde eines wartenden Patienten kostet circa 12,50 Euro aus der Fallpauschale. Bisher war Warten für Kliniken weitgehend erlösneutral, das ist seit 1. Januar 2004 völlig anders.
Ermittelt wurden folgende Defizite aus Patientensicht: Beim Warten in der Verwaltungsaufnahme 56 Prozent. Beim Warten auf Schrank/Bett 46 Prozent. Beim Warten auf die erste ärztliche Untersuchung 71Prozent.
Im Durchschnitt müssen geplante Patienten 56 Minuten (12 Prozent sogar über zwei Stunden) auf ein reserviertes Bett und 83 Minuten (19 Prozent sogar über zwei Stunden) auf das erste Arztgespräch mit Untersuchung warten. Privatpatienten warten interessanterweise im Schnitt zehn Prozent länger auf ihr Bett als GKV-Versicherte.
Elektive Patienten sind die „Tafelsilber-Fälle“ für das Krankenhaus der Zukunft. Im Notfall wird jeder Patient aufgenommen und bestmöglich versorgt. Die neuen Entgeltsysteme, die geplanten Mindestmengenregelungen und der erwünschte Qualitätswettstreit von Krankenhäusern sind jedoch darauf angelegt, selbstbestimmte Fälle entsprechend den Subspezialisierungen auszuweiten. Hier kommt es entscheidend auf die neuen Erfolgsregeln bei Aufnahme elektiver Fälle und bei der Kooperation mit Einweisern an. Weitere 100 Kliniken können an der Benchmark-Fortsetzung teilnehmen.

Prof. Dr. rer. pol. Gerhard F. Riegl
Provinostraße 11, 86153 Augsburg
E-Mail: info@prof-riegl.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema