ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 2/1996Bilanz nach zwei Jahren – Geldmarktfonds: Top oder Flop?

SUPPLEMENT: Geldanlage

Bilanz nach zwei Jahren – Geldmarktfonds: Top oder Flop?

Dtsch Arztebl 1996; 93(40): [4]

PJ

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zwei Jahre sind sie erlaubt, und schon kehren ihnen Anleger wieder den Rücken: Geldmarktfonds – mit umfassender Werbung eingeführt – erweisen sich in der Praxis immer häufiger als renditeschwache Flops. Zwischenbilanz: Als ausgesprochen kurzfristige Geldanlage können sie eventuell mit Festgeld konkurrieren. Mittel- und langfristig gibt es lohnendere Alternativen.


Vom Konzept her sind Geldmarktfonds, seit rund zwei Jahren im Angebot, sicherlich positiv zu bewerten. Das Kapital wird dort vorrangig in Kurzfrist-Anlagen mit nur wenigen Monaten Restlaufzeit investiert, beispielsweise in Schuldverschreibungen oder Einlagenzertifikaten, aber auch in Festgelder – diese übrigens meist bei der eigenen Muttergesellschaft.
Entsprechend gering sind die Risiken. Selbst wenn die Zinsen am Kapitalmarkt erheblich schwanken, drohen dem Fonds-Portfolio praktisch keine Kursverluste. Allerdings sind in der Regel auch keine nennenswerten Kursgewinne oder überdurchschnittlich hohe Renditen zu erwarten, da die Muttergesellschaft für Festgelder auch nicht wesentlich mehr bewilligen wird als unbedingt erforderlich.


Schneller Ein- und Ausstieg
Die Möglichkeit schließlich, schnell und ohne Risiko wieder auszusteigen, wird durch die Gebührenstruktur begünstigt: Die meisten Geldmarktfonds sehen statt eines sonst oft üblichen einmaligen Ausgabeaufschlags eine erhöhte Verwaltungsvergütung vor, mit der in regelmäßigem Turnus das Fondsvermögen belastet wird. Da mithin nicht erst ein möglicherweise hoher Ausgabeaufschlag "verdient" werden muß, kommen Geldmarktfonds schon ab einer Anlagedauer von wenigen Tagen als "Parkplatz fürs Geld" in Betracht.
Damit sind sie sogar noch flexibler als Festgelder, die entsprechend den gesetzlichen Vorschriften mindestens 30 Tage angelegt werden müssen. Im übrigen unterliegen Geldmarktfonds im Gegensatz etwa zu einer Festgeld-Anlage nur dem halben Vermögensteuersatz – ein Argument, daß interessanterweise sogar Anleger anspricht, die nicht der Vermögensteuer unterliegen.


Konkurrenz zum Festgeld
Gerade die Konkurrenz zum Festgeld kommt den Beratern in Banken und Sparkasse zugute: Während bei Festgeld möglicherweise monatlich neu um die Konditionen verhandelt werden muß und mancher Anleger bei niedrigen Zinsen "sauer" auf seinen Berater ist, kann bei einem Fonds die ganze Schuld auf die weitgehend anonyme Kapitalanlagegesellschaft geschoben werden – selbst wenn diese zum eigenen Finanzverbund zählt.
Diese Taktik ist gerade derzeit erkennbar. Die ersten Geldmarktfonds kamen zu einem Zeitpunkt auf den Markt, als die deutschen Kurzfrist-Zinsen noch nahe am Niveau festverzinslicher Wertpapiere lagen. Somit konnte Anlegern seinerzeit eine aktuelle Rendite von mehr als fünf Prozent versprochen werden.
Mittlerweile sieht die Situation freilich ganz anders aus: Weil einerseits die Geldmarktfonds eine bedeutende Marktstellung erreicht haben, andererseits aber auch viele Anleger im Vorfeld der Währungsunion flexibel bleiben wollen, sind zuletzt Milliardenbeträge in kurzfristige Anlagen geflossen. Die Renditen wurden auf diese Weise in den Bereich um 3,5 Prozent gedrückt, liegen also nur knapp über den Zinsen, die eine Bank ohne Konditionenverhandlungen für das klassische Sparbuch zahlt.
Zusätzlich belastet die laufende Verwaltungsvergütung, die statt eines einmaligen Ausgabeaufschlags verlangt wird: Berechnet werden derzeit bis zu 0,8 Prozent pro Jahr (beispielsweise beim Adig-Geldmarkt 1), so daß es jede Gesellschaft angesichts der Kapitalmarktlage sehr schwer hat, eine für Anleger attraktive Rendite zu erwirtschaften. Schließlich wird bereits jede vierte Ertrags-Mark für Verwaltungsgebühren benötigt – ein Betrag, der weitaus höher ist als bei jeder anderen Form der Geldanlage.
Doch auch wenn sich die Fondsgesellschaft mit einer niedrigeren Verwaltungsvergütung begnügt und dafür einen einmaligen Ausgabeaufschlag von – meist – 0,5 Prozent verlangt, fährt der Anleger damit nicht unbedingt wesentlich günstiger: Die Investition erreicht beim aktuellen Zinsniveau erst nach einem knappen Vierteljahr den Einstandswert, so daß sich ein solcher Fonds erst bei einer wesentlich längeren Anlagedauer rechnet. Und damit wird das Konzept des "kurzfristigen Parkplatzes" von den Fondsgesellschaften selbst ad absurdum geführt.

Nichts für längere Zeit
Jeder Anleger sollte daher die Voraussetzungen prüfen, unter denen er investiert. Während ein Geldmarktfonds als Alternative zu kurzfristigem Festgeld – beispielsweise für 30 Tage – durchaus interessant sein kann, eignet er sich momentan nicht als mittel- oder längerfristige Anlage. Hier lohnen sich eher Finanzierungsschätze des Bundes, Bundesschatzbriefe und nicht zuletzt festverzinsliche Wertpapiere mit überschaubarer Laufzeit.
Auch Tagesgeldkonten ("Cash-Konten") bergen keine Risiken, wobei die Renditen bei unbegrenzter Verfügbarkeit oft nur geringfügig unter den Konditionen von Festgeldern und Geldmarktfonds liegen. PJ

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote