ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 2/1996Termingeschäfte – Futures Funds: Gute Depot-Beimischung

SUPPLEMENT: Geldanlage

Termingeschäfte – Futures Funds: Gute Depot-Beimischung

Dtsch Arztebl 1996; 93(40): [8]

AL

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Termingeschäfte stehen in einem schlechten Ruf – nicht ganz zu Unrecht. In der Vergangenheit haben sich viele Betrugsfirmen dieses für den Laien recht intransparenten Anlagemediums bedient, um Anleger um ihr Erspartes zu bringen. Seriös gehandhabt, sind Termingeschäfte aber ein Instrument, das sich auch für konservative Anleger eignet – wenn die richtige Mischung gefunden wird.


Erst in den neunziger Jahren fand die Anlage-Idee der Futures Funds größere Aufmerksamkeit in Europa und vor allen Dingen auch in Deutschland. In den USA sind dagegen schon seit Jahren Hunderte solcher Funds auf dem Markt, die – unter der Aufsicht der Terminbörsen – seriös und erfolgreich arbeiten.
Neben privaten Anbietern haben sich in Deutschland auch einige Kreditinstitute (u. a. Bankhaus Wölbern in Hamburg, Bayerische Hypotheken- und Wechselbank) in diesem Geschäft engagiert. "Futures Funds werden der Wachstumsmarkt der 90er Jahre", hieß vor einigen Jahren die Titelzeile eines Beitrags im Fachorgan des Bundesverbandes Deutscher Banken. Diese Prophezeiung ist bislang nicht Wirklichkeit geworden. Aber immerhin mehr als 40 seriöse Anbieter listet der Managed Funds Deutschland Report von Volker D. Frick auf, der kontinuierlich den deutschen Markt für Futures Funds und Pools kritisch beobachtet.


Keine strengen Auflagen
Futures Funds sind ähnlich wie andere Investmentfunds konstruiert, unterliegen aber im allgemeinen nicht dem strengen deutschen Investmentrecht (Ausnahme: H.C.M. Futures Vision, der in Luxemburg als Investmentfunds registriert ist). Das Sondervermögen der Funds wird, anders als bei den herkömmlichen, ausschließlich für Engagements an den Terminmärkten genutzt. Es werden Futures ge- und verkauft, also Kontrakte über Zins, Devisen und Indexprodukte, aber auch über landwirtschaftliche und andere Rohstoffe. Direktengagements in diesen Märkten sind wegen der Nachschußpflicht und der großen Risiken nur Spekulanten mit großem Vermögen möglich.
Im Fall eines Funds-Engagements erwirbt ein Anleger auch das Know-how von Experten, die lange Erfahrung in der Anlage von Kundengeldern an den Terminmärkten haben. Die Verwalter der Anlagegelder heißen Commodity Trading Advisors, kurz CTAs. Sie treffen die eigentlichen Entscheidungen über Kauf oder Verkauf von Terminkontrakten.
CTAs müssen sich in den USA bei der Börsenaufsicht für die Terminbörsen nach vorheriger Prüfung ihres Fachwissens registrieren lassen. Die Ergebnisse, die die CTAs erzielen, unterliegen der kritischen Beobachtung der Öffentlichkeit in den USA. Fachpublikationen und Informationsdienste informieren regelmäßig über ihr Abschneiden.
Darüber hinaus gibt es aber bei den meisten Funds einen Fundsmanager, der darüber enscheidet, welchem CTA die Gelder anvertraut werden. Und in der Regel schalten die Fundsmanager mehrere CTAs ein, um die Risiken zu streuen. Gleichwohl bleiben natürlich Risiken, denn die Schwankungen an den Zins- und Devisenmärkten sind sehr stark. Andererseits sind es diese ausgeprägten Bewegungen, die zu Gewinnen genutzt werden können.
Per Saldo haben die guten Funds in der Vergangenheit erhebliche Kapitalzuwächse erzielt (siehe Tabelle). Viele haben sogar zeitweise (auch in guten Börsenzeiten) die Performance der Aktien übertroffen. In der Tabelle sind zwölf ausgewählte Futures Funds oder Pools (Anlegergemeinschaften) mit einer langfristig erfolgreichen Tätigkeit aufgeführt.


Beitrag der Wissenschaft
Auch die Wissenschaft hat sich mit dem Phänomen Futures Funds beschäftigt. Der Harvard-Professor John Lintner hat als erster empirisch nachgewiesen (für die Periode 1967 bis 1982), daß Futures Funds, einem Depot aus Aktien und Anleihen beigemischt, die ChanceRisiko-Relation verbessert. Das heißt: Der Ertrag eines solchen Depots steigt, ohne daß die Risiken (Volatilität) zunehmen.
Futures Funds eignen sich also besonders als Beimischung zu einem gut diversifizierten, international gestreuten Aktien- und Anleihendepot. Dann sind sie keine allzu spekulative Anlage, im Gegenteil: Weil die Aktien- und Rentenkurse keine Korrelation mit der Entwicklung der Terminmarktanlagen aufweisen, eignen sie sich vortrefflich zur Depotbeimischung.
Bei einem Anteil von zehn bis 30 Prozent – das haben verschiedene Untersuchungen über unterschiedliche Perioden ergeben – kann sich der Gewinn des Portefeuilles verbessern, ohne daß das Risiko zunimmt. Erst bei größeren Anteilen von Futures Funds am Depot gilt wieder das eherne Gesetz, daß der Ertrag nur verbessert werden kann, wenn größere Risiken eingegangen werden.


Ungeklärt: Steuerfragen
Außerdem bleibt bei jedem Engagement das bekannte Risiko beim Anleger: Er kann den "falschen" Funds erwischt haben. Die Gesetzmäßigkeiten, die der ehemalige Harvard-Professor Lintner festgestellt hat, gelten für die Gesamtheit der Terminmarktanlagen, nicht für einen ganz bestimmten Funds. Aber das ist bei der Performance von Aktien nicht anders.
Nicht endgültig geklärt ist bei vielen Funds weiterhin die steuerliche Situation. Beim Direktanleger bestehen keine Zweifel, daß Gewinne aus Terminmarktanlagen steuerfrei sind. Offen ist, ob dies auch für die Erträge aus Funds gilt, die sich am Terminmarkt engagieren. Bislang sind keine Fälle bekanntgeworden, in denen die Finanzverwaltung die Anleger zur Besteuerung herangezogen hätte. Es ist allerdings nicht auszuschließen, daß sich ihre Haltung ändert, wenn die Anlage in Futures Funds größere Verbreitung findet. AL

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote