ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 3/1996THAILAND: Auf Segeltörn in der Andamanischen See

SUPPLEMENT: Reisemagazin

THAILAND: Auf Segeltörn in der Andamanischen See

Dtsch Arztebl 1996; 93(44): [10]

Endres, Alexandra

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LNSLNSLNSLNS Kristallblaues Wasser, von Kalksteinfelsen eingerahmte Buchten mit langen Sandstränden, sattes Grün auf den Hügeln, dazwischen bunte Farbtupfer – ein spektakuläres Bild bietet sich beim Blick durch das Fenster der Thai-Airways-Maschine im Landeanflug auf Phuket, eine Insel im Südwesten Thailands. Nach einer kurzen Fahrt durch Phuket-Town genießen wir von einem Hügel aus den Sonnenuntergang. Krönender Abschluß des Tages ist ein üppiges thailändisches Dinner mit Meeresfrüchten, Fisch, Fleisch und natürlich Reis, zusammen mit scharfen Soßen zum Dippen und reichlich mit Chili gewürzt. Thai essen übrigens nicht mit Stäbchen, sondern mit Löffel und Gabel: Mit der Gabel befördert man den Happen auf den Löffel und führt diesen dann zum Mund.
Am nächsten Morgen starten wir mit dem hoteleigenen Catamaran "Two To Tango" unseren Segeltörn. Sechs Passagiere finden auf dieser Yacht in drei vollklimatisierten Kabinen Platz, auf Deck ist genug Raum zum Sonnenbaden. Die Crew bilden Skipper Ari und Sam, die auch für uns kocht. Pro Tag ist "Two To Tango" für 1 400 US-Dollar zu chartern. Unser Tagesziel ist die Insel Ko Racha (Ko=Insel). Vor Ko Racha unternehmen wir einen kurzen Schnorchelausflug in die Unterwasserwelt. Im Licht der jetzt schon recht tief stehenden Sonne sehen die Korallen sandfarben aus, nur hier und da leuchtet eine in tiefem Blau. Doch Fische in allen Farbtönen lassen ahnen, wie bunt farbenfroh diese Landschaft im vollen Sonnenlicht ist.
Mit dem Beiboot kommen wir zurück auf die Yacht. Als Segel-Neuling bin ich gespannt auf meine erste Nacht an Bord: Ob das leichte Schaukeln des Schiffes meinem Schlaf guttut? Doch entgegen aller Befürchtungen werden ich auch im Liegen nicht seekrank. In der Kabine ist es sehr warm, da wir die Klimaanlage kurz zuvor abgestellt hatten. Draußen herrscht nach einem kurzen Regenschauer jedoch angenehme Kühle, und so schlafe ich auf Deck – vor mir die hügelige Silhouette von Ko Racha, über mir den tropischen Sternenhimmel. Ko Khai präsentiert sich uns nahezu menschenleer. Die Fische sind so an Schnorchler gewöhnt, daß ganze Schwärme auf uns zu schwimmen. Sie erwarten Futter, doch wir haben nichts auf die Insel mitgenommen. Plötzlich ein leichtes Stechen an meinem Bein: Ein kleiner Fisch versucht, mich anzuknabbern und sich so für die entgangene Mahlzeit schadlos zu halten.
Bereits nach einer Stunde erreichen wir Ko Rang. Hier steht direkt am Strand ein Holzhaus, das buddhistische Mönche beherbergt. Schon von weitem sieht man die leuchtend orangenen Gewänder, die an einer Kokospalme zum Trocknen hängen.
Vor Ko Rang nimmt uns wenig später die "königliche Barkasse" Maha Bhetra auf. Entworfen wurde sie vom Architekten des Luxushotels Amanpuri, Ed Tuttle, und sie trägt ihren Namen zu Recht: Ganz aus Holz gebaut, beherbergt sie auf 26,5 Metern Länge drei Kabinen, jede 20 Quadratmeter groß, und einen geräumigen Salon auf dem Oberen Deck. Der Raum ist überdacht, aber nach allen Seiten hin offen, so daß man einen weiten Blick über das Meer hat. Die Möbel sind, wie die Innenausstattung der Kabinen, aus massivem Teak, die Polster aus weichem Na-turleinen. Dieser Fünf-Sterne-Luxus hat natürlich seinen Preis: Pro Tag müssen die Passagiere 3 000 US-Dollar zahlen.
Auf Maha Behtra fahren wir Richtung Norden. Unser Ziel ist die Bucht von Phang-Nga. Bizarre, senkrecht aus dem jadegrünen Wasser ragende Kalksteinfelsen bestimmen hier das Bild der Landschaft. Das Wasser hat die Inseln zerfurcht, ausgewaschen und an den überhängenden Felsen oberhalb des Wasserspiegels tropfsteinähnliche Formationen geschaffen. In manchen Inseln gibt es Lagunen, sogenannte Hongs, die bei Ebbe durch enge Höhlen mit dem Boot erreichbar sind. Am nächsten Tag kreuzen wir weiter durch die bizarre Felsenwelt der Phang-Nga-Bucht und machen mit unserem Dingi einige Abstecher in größere Hongs. Vor der Insel Ko Hong nimmt uns Stormvogel auf, eine 1961 erbaute Yacht, die im selben Jahr Siegerin des englischen Fastnet Race wurde. Ihr Charter-Preis beträgt 1 700 US-Dollar pro Tag.
In Krabi angekommen, ankern wir am Strand Raileh Ost. Weil wir an Land wollen, machen wir uns auf die Suche nach unseren Schuhen. Das Gelächter ist groß, als jeder nur noch ein Exemplar seines Paares findet: Während der Fahrt müssen die Gegenstücke über Bord gegangen sein. Schließlich klettern wir – barfuß oder in Zweitschu-hen – ins Dingi. An Land gehen wir vorbei an hölzernen Bungalows, manche mit geflochtenen Wänden und mit Palmwedeln gedeckt, zu einem Restaurant am Strand Raileh West. Die Bungalows sind sehr einfach, die Übernachtung billig, und so verbringen hier viele Rucksacktouristen ihren Urlaub. Am nächsten Morgen weht nur eine leichte Brise, und so erreichen wir Phi Phi erst, als die Sonne gerade untergeht. Wie Krabi ist auch Phi Phi ein beliebtes Ziel bei Touristen. Ich feilsche mit einem Händler um einen handbemalten Sarong aus Baumwolle, der Fische und Wasserpflanzen in den leuchtendsten Farben zeigt, und erstehe diesen schließlich für 400 Baht. Anschließend erhalte ich meine erste Thai-Massage. Eine dicke Thailänderin, bekleidet mit Sarong und Hemd, heißt mich lächelnd willkommen. Beginnend an den Zehenspitzen, walkt sie jeden Muskel gründlich durch, dehnt und streckt mich, massiert sogar Bauch, Gesicht und Kopf und läßt es so manches Mal knacken, daß ich um meine heilen Knochen fürchte. Doch als sie nach einer Stunde die Massage – wieder an meinen Zehen angelangt – beendet, fühle ich mich so entspannt wie schon lange nicht mehr. Nach unserer letzten Nacht an Bord eines Schiffes machen wir uns auf den Weg nach Phi Phi Le, der Schwesterinsel von Phi Phi Don. Hier besuchen wir eine Höhle, in der Schwalbennester gesammelt werden. In der Höhle riecht es nach Guano. Es ist dunkel, die steinerne Decke nicht zu sehen. Die Bambusstangen, an denen die Sammler der Schwalbennester hochklettern, verschwinden in der Dunkelheit. Mit Wurzeln sind sie aneinandergebunden. In Gruppen zu acht, nur mit einer Taschenlampe ausgerüstet, klettern die Sammler an den Bambusstangen hoch. Nur von Januar bis Juli dürfen sie die Nester sammeln, um die Eier oder jungen Schwalben nicht zu gefährden. Pro Tag schafft eine Gruppe ungefähr ein halbes Kilo, das entspricht 75 Nestern. Der Händler zahlt ihnen dafür 1 000 Baht, verkauft die Nester aber für 600 Baht pro Stück. Gereinigt von Gräsern, Federn und Lehm, dienen die Nester schließlich als Suppeneinlage. Es dämmert schon, als wir schließlich in der Nai-Harn-Bucht einlaufen und Anker werfen. Nach einer letzten Nacht im Phuket Yacht Club Hotel bleibt noch Zeit, die Insel ein letztes Mal zu erkunden. Ich fahre nach Phuket-Stadt, besichtige die alten sino-portugiesischen Häuser und bummle durch die Markthalle. Meine Nase wird betäubt von der Vielfalt an Gerüchen, die sich hier entfalten. Hinter den dichtgedrängten Ständen bieten Händler Gewürze und Kräuter feil, es gibt Ananas und Mangos, Papaya und Melonen, die stachlige Duria, von der die Einheimischen sagen "Stinkt wie Hölle, aber schmeckt wie Himmel", ich sehe Fleisch, Meeresfrüch-te und Fisch, aber auch Korbwaren, Stoffe und Kleider. Touristen sind hier kaum zu sehen. In einem kleinen Laden im Marktviertel kaufe ich schließlich ein Paar Schuhe, um für die Rückkehr nach Deutschland gerüstet zu sein, und mache mich auf den Weg zurück ins Hotel. Am Abend verläßt unser Flugzeug die tropische Insel. Nach einem Stopp in Bangkok fliegen wir zurück ins jetzt im März noch winterlich kalte Deutschland. Alexandra Endres


Segelyachten ohne Crew für vier bis neun Passagiere sind bei Thai Marine Leisure (TML) für rund 300 bis 900 US-Dollar pro Tag zu haben (Hochsaison). Segelyachten mit Crew sind etwas teurer; Luxusyachten ab 1 330 US-Dollar zu haben. Daneben bietet TML Motorboote bis hin zur "königlichen Barkasse" Maha Behtra. Spezielle Charter für Taucher oder Sportfischer sind ebenfalls im Programm. Zweiter Anbieter von Yachtcharter in Thailand ist Sunsail.
Die Yachten beider Firmen kann man von Deutschland aus chartern, beispielsweise bei Scansail Yachts International, Palmaille 124 B, 22767 Hamburg, Tel 0 40/ 38 84 22, Fax 3 89 32 77.

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