ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2004Internet-Recherche: Somatoforme Störungen

WISSENSCHAFT

Internet-Recherche: Somatoforme Störungen

Eichenberg, Christiane

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www.uni-duesseldorf.de/www/awmf/ll/psytm001.htm
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Über somatoforme Störungen ist im Internet nicht so viel zu finden wie zu anderen psychischen Störungen mit ähnlich hoher Prävalenz.

Auch wenn die Gruppe der somatoformen Störungen erst in den letzten Jahrzehnten in große Diagnosesysteme ICD und DSM aufgenommen wurde, so werden die assoziierten Symptome schon lange beschrieben. Die Einführung der Kategorie der somatoformen Störungen in die Klassifikationssysteme ist eng mit der Abschaffung der stärker theoriegebundenen Kategorien der Neurosen und der Hysterie verbunden. 1980 wurden somatoforme Störungen in das Klassifikationssystem DSM-III einbezogen, 1991 in die ICD-10-SGB-V eingeführt. Im deutschsprachigen Raum wurde das Krankheitsbild häufiger auch als „allgemeines psychosomatisches Syndrom“ bezeichnet. Traditionelle, heute zum Teil ebenfalls noch anzutreffende Bezeichnungen sind: psychogene Störung, funktionelle Störung, vegetative Dystonie, allgemeines psychosomatisches Syndrom, Konversionsstörung und Briquet-Syndrom. Die ICD-10-SGB-V unterscheidet bei der Störungsgruppe der somatoformen Störungen (F45):
- Somatisierungsstörung: Vorliegen von mindestens 14 Symptomen aus mindestens zwei Bereichen (gastrointestinal, kardiovaskulär, urogenital, Haut und Schmerz), für die keine körperliche Ursache gefunden werden kann seit mindestens zwei Jahren.
- Indifferenzierte Somatisierungsstörung: weniger als 14 multiple körperliche Symptome, für die keine körperliche Ursache gefunden werden kann seit mindestens sechs Monaten.
- Hypochondrische Störung: Überzeugung des Patienten, dass wenigstens eine ernsthafte körperliche Krankheit als Ursache für Symptome vorhanden ist, auch wenn wiederholte Untersuchungen keine ausreichende körperliche Erklärung erbracht haben.
- Somatoforme autonome Funktionsstörung: Vegetative Symptome stehen im Vordergrund.
- Anhaltende somatoforme Schmerzstörung: Schmerzsymptome stehen im Vordergrund.
Eine ausführliche Beschreibung der Gruppe der somatoformen Störungen bietet die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften an (1, 2). Ein Auszug aus dem ICD-10-SGB-V-Kapitel F45 „Somatoforme Störungen“ kann unter (3) abgerufen werden, das entsprechende DSM-IV-Kapitel unter (4).
Forschergruppen in Deutschland, die sich mit dem Thema der somatoformen Störungen beschäftigen, befinden sich in Mainz: Prof. Wolfgang Hiller, Abteilung Klinische Psychologie, Schwerpunkte Diagnostik und Therapie (5), in Marburg: Prof. Winfried Rief, Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie, Schwerpunkte Diagnostik und Grundlagenforschung (6), in Bonn: Prof. Oskar Berndt Scholz, Abteilung Klinische und Angewandte Psychologie, Schwerpunkt Psychophysiologische Grundlagen (7), und in Prien: Klinik Roseneck, Leitender Psychologe Dr. Jörg Heuser, Schwerpunkt Diagnostik und Therapie (8).
Wissenschaftliche Online-Ressourcen gibt es auch zur Epidemiologie, zum Beispiel der Beitrag „Somatoforme Störungen bei Jugendlichen in Deutschland“ von einer Forschergruppe aus Leipzig (9), zu ihrer Diagnostik (10) und Ätiologie (11) sowie zu spezifischen Befunden aus wissenschaftlichen Studien, zum Beispiel „Somatoform disorders and implicit memory bias“ (12).
Dr. Hans Morschitzky, Autor des Buches „Somatoforme Störungen“, wendet sich nicht nur an ein Fachpublikum, sondern auch an Betroffene und Angehörige. Auf seiner Homepage bietet er das Vorwort seines Buches (13) und einen Abschnitt aus dem Kapitel „Hypochondrische Störung“ (14) online an. Er stellt ein Interview zur Verfügung, in dem er leicht verständlich Fragen zu somatoformen Störungen zusammenfasst (15). Darüber hinaus findet sich im Internet auch ein Erfahrungsbericht einer Betroffenen mit einer hypochondrischen Störung (16), der von Morschitzky kommentiert wird. Dr. med. Winfried Häuser informiert unter der Überschrift „Somatoforme Störungen – ich fühle mich krank, und die Ärzte finden nichts“ (17) für Laien verständlich über Ursachen, Diagnostik und Therapie dieser Störungsgruppe. Speziell zu zwei Unterformen der somatoformen Störung, der hypochondrischen Störung sowie der somatoformen Schmerzstörung, findet der Betroffene im Gesundheitsportal Medicine worldwide Aufklärung (18, 19).
Internetangebote, die über somatoforme Störungsbilder informieren, sind trotz hoher Prävalenz (12-Monats-Prävalenz: elf Prozent, Wittchen et al., 1999) deutlich seltener zu finden als Webseiten zu psychischen Störungen mit ähnlich hoher Verbreitung, wie zum Beispiel affektive Störungen.

Literatur
Morschitzky H: Somatoforme Störungen. Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Wien: Springer 2000.
Rief W und Hiller W: Somatoforme Störungen – Körperliche Symptome ohne organische Ursachen. Bern: Huber 1992.
Rief W und Hiller W: Somatisierungsstörung und Hypochondrie, Fortschritte der Psychotherapie, Band 1. Göttingen: Hogrefe 1998.
Wittchen H-U, Müller N, Pfister H, Winter S, Schmidtkunz B: Affektive, somatoforme und Angststörungen in Deutschland – Erste Ergebnisse des bundesweiten Zusatzsurveys „Psychische Störungen“. Gesundheitswesen 1999; 61; Sonderheft 2: 216–222.

Dipl.-Psych. Christiane Eichenberg, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, christiane@rz-online.de, www.christianeeichenberg.de

Internet-Adressen

 1. Leitlinien Somatoforme Störungen der AWMF www.uni-duesseldorf.de/www/awmf/ll/psytm001.htm
 2. Leitlinien Somatoforme Störungen im Kindes- und Jugendalter der AWMF
www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/kjpp-010.htm
 3. Somatoforme Störungen: ICD-10 icd.web.med.uni-muenchen.de/ALL/F40-F48.html
 4. Somatoform Disorders DSM-IV behavenet.com/capsules/disorders/somatoformdis.htm
 5. Abteilung Klinische Psychologie, Universität Mainz psycho.sowi.uni-mainz.de/abteil/kl
 6. Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Marburg
staff-www.uni-marburg.de/~riefw/index.html
 7. Abteilung Klinische und Angewandte Psychologie, Universität Bonn www.psychologie.uni-bonn.de/ kap/index.htm
 8. Klinik Roseneck, Prien www.klinik-roseneck.de
 9. Hessel et al.: Somatoforme Beschwerden bei Jugendlichen in Deutschland
www.uni-leipzig.de/~medpsy/pdf/somat_youth.pdf
10. Prof. Wolfgang Hiller: Skript „Somatoforme Störungen“ psycho.sowi.uni-mainz.de/abteil/kl/downloads/script_sfd.pdf
11. Karl C. Mayer: Somatoforme Störungen www.neuro24.de/somatoforme__st_rungen.htm
12. Ott et al.: Somatoform disorders and implicit memory bias www.user.gwdg.de/~bbandel/gjp-poster-ott.htm
12. Informationen von Dr. Hans Morschitzky www.members.aon.at/morschitzky/buch_somatoforme_stoerungen/bu_soma.htm
13. www.members.aon.at/morschitzky/hypochondrie/hypocho.htm
14. www.panikattacken.at/somatoforme_stoerungen/somstoer.htm
15. Erfahrungsbericht einer Betroffenen mit hypochondrischer Störung www.astrid-krueger-panik.de/schwerp/somat.htm
16. Informationen von Dr. Winfried Häuser home.t-online.de/home/w.haeuser/somato.htm
17. Medicine worldwide: Hypochondrische Störung www.medicine-worldwide.de/krankheiten/psychische_krankheiten/hypochondrie.html
18. Medicine worldwide: Somatoforme Schmerzstörung
www.medicine-worldwide.de/krankheiten/schmerz/somatoforme_schmerzstoerung.html
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