ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 3/1996TAUCHTRIP NACH BALICASAG: Insel der Federsterne

SUPPLEMENT: Reisemagazin

TAUCHTRIP NACH BALICASAG: Insel der Federsterne

Dtsch Arztebl 1996; 93(44): [17]

Richter, Frank-Jörg

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LNSLNS Nach einem zweistündigen Flug von Manila nach Tagbilaran auf der philippinischen Insel Bohol ist der Airbus A 320 der Philippine Airlines gelandet. Auf meinen Guide und mich wartet bereits auf dem AirportVorplatz ein klappriger Wagen, der uns in einer guten Stunde über schlaglochübersäte, teilweise auch verschlammte Straßen an einen mit großen Kokospalmen bewachsenen Strandabschnitt bringt. Inzwischen dämmert es bereits. Ein schmales, etwa 6 m langes Auslegerboot liegt hier. Zwischen den dunklen Palmen löst sich eine Gestalt und kommt auf uns zu. Einige mir unverständliche Sätze fliegen zwischen meinem Guide und der dunklen Gestalt hin und her. Dann sagt mir mein Guide: "Es ist der Bootsführer, der uns nach Balicasag bringen wird." Schnell werden mein roter Koffer und die schwere Tasche mit der Kameraausrüstung im Boot verstaut. Dann klettern wir hinein. Zwei Einheimische schieben uns in tieferes Wasser, der "Käpt’n" wirft den altersschwachen Motor an, und ab geht’s in die dunkle, schwüle Tropennacht. Nach einer reichlichen Stunde Fahrt sehe ich am schwarzen Horizont einen hellen Punkt. Als wir näher kommen, erklärt uns der Bootsführer, das sei das Licht vom Vorplatz des Haupthauses von Balicasag. Kurz danach sind wir da. Der Bootsrumpf knirscht auf Grund und stoppt abrupt.
Unser Käpt’n krempelt sich die Hosenbeine bis übers Knie herauf und schwingt sich über die Bordwand ins flache Wasser. Ich mache es ihm nach. Mir ist dabei aber durchaus nicht wohl zumute, da ich weder den Grund noch die genaue Wassertiefe feststellen kann. Außerdem weiß ich, daß Seeigel nachtaktiv sind. Es ist dann aber wirklich nur Sandboden mit einzelnen scharfen Korallenstückchen, und nach wenigen Metern betreten wir den dunklen Strand. Daß alles so düster wirkt, hat seinen Grund: Wegen des zu schwachen Stromgenerators gibt es überall auf der kleinen Insel nur 10-W-Lampen. Beim Weg zum Haupthaus sehe ich überall kleine und größere Einsiedlerkrebse herumkrabbeln. An der Rezeption lasse ich mir den Schlüssel zu einem Bungalow geben; er liegt nur 30 m vom Haupthaus entfernt. In jedem Bungalow gibt es zwei Zweibettzimmer. In meinem Raum ist es stickigwarm. Klimaanlage gibt’s nicht, dafür aber einen Tischventilator.
Balicasag ist ringsherum von einem 20 bis 60 m breiten Korallenriffgürtel umgeben. Die Steinkorallen fangen an vielen Stellen bereits 4 bis 5 m vom Ufer aus an. Die Korallenbänke verlaufen sehr flach, so daß man auch hervorragend schnorcheln kann. Stärkere Strömungen konnte ich weder beim Schnorcheln noch bei den Tauchgängen am Riffabbruch feststellen. Manche Fische zeigen eine große Fluchtdistanz, so daß es schwierig ist, mit der UW-Kamera in "Schußposition" zu gelangen. Das kommt durch Überfischen. Täglich kann man nämlich Fischerboote beobachten, wie sie ihre Netze auslegen oder einziehen. Am Außenriff sind fast immer große Schwärme von Stachelmakrelen und ab und zu auch Barrakudas zu sehen. Wohl wegen der Makrelenschwärme kommen manchmal auch fremde Fischerboote bei Balicasag vorbei, werfen am Außenriff einige Dynamitstangen, sammeln schnell die an der Wasseroberfläche treibenden toten Fische ein und verschwinden wieder – ehe sie von den Anwohnern der Insel vertrieben werden.
Tauchen ist zu jeder Tages- oder Nachtzeit möglich. Es ist zum Tauchen auf Balicasag keineswegs notwendig, daß man immer per Boot (Extrakosten!) zum Außenriff fährt, da je nach Rifformation der Riffabbruch teilweise schon nach 30 m erreicht wird. Der sogenannte "Black Forest" gilt als besonders schöne Tauchstelle mit vielen großen Weichkorallen und riesigen Gorgonien, die erst im starken Licht eines UW-Scheinwerfers ihre leuchtenden Farben offenbaren.
An jedem Korallenblock hängen teilweise mehrere große hellbraune, schwarze und zitronengelbe Federsterne. Später stelle ich fest, daß schon ab dem 3-m-Bereich die ersten Haar- oder Federsterne zu erblicken sind. Mit ihren vielen "Beinchen" klammern sie sich an die äußeren Spitzen der Steinkorallen. Das Wasser scheint hier um Balicasag sichtlich sehr planktonreich zu sein, so daß sie mit ihren als Filterfächer ausgebildeten Armen auch bei Helligkeit auf "Jagd" gehen.
Während ich noch einen Federstern aus nächster Nähe betrachte, bemerke ich eine kleine Bewegung schräg unter ihm. Es ist ein Masken-Igelfisch, der mich ängstlich visiert; doch ich schrecke ihn nicht und schwimme langsam weiter, die Umgebung scharf beobachtend.
Vor einem kleinen Korallenblock krabbelt ein großen Bärenkrebs. Da er genauso gut schmeckt wie eine Languste, stelle ich ihn mir unwillkürlich gegrillt auf einem Teller vor. Aber es sind ja nur hungrige Gedanken – ich tue ihm nichts, aber ich mache ein Foto von ihm.
Nach nur wenigen Minuen ist nun der Riffabbruch erreicht. An dieser Stelle ist es 12 m tief. Etwa 8 bis 10 m entfernt zieht langsam im dunkelblauen Wasser ein großer Schwarm von Stachelmakrelen an mir vorbei. Unter Tischkorallen halten sich vereinzelte hübsch gestreifte Süßlippen auf, ab und zu ist auch ein braungefleckter Zackenbarsch zu entdecken. Ein neugieriger Pfauenkaiserfisch kommt dicht auf mich zu, um mich zu beäugen. Ein Schwarm Doktorfische nähert sich mir bis auf 2 m. Ab und zu sind auch die schön schwarzgelb bebänderten Halfterfische zu erblicken. Sie sind immer ein gutes Fotomotiv. Etwas Glück muß man dagegen schon haben, wenn man die hier recht selten vorkom-menden Leopardendrücker vor die Fotolinse bekommen will. Frank-Jörg Richter


Das "Balicasag Dive Resort", an der südlichen Spitze der Insel Bohol gelegen, ist etwas für Individualisten, die abseits von Touristenströmen Urlaub machen wollen – Massenbetrieb gibt es nicht. erholungsuchende Schnorchler und Taucher kommen hier voll auf ihre Kosten. Die beste Reisezeit ist von März bis November.
Sporttaucher können bei der Philippine Airlines gegen Vorlage des Tauchbrevets statt der vorgeschriebenen 20 kg Gepäck 10 kg zusätzlich kostenfrei mitnehmen.
Weitere Informationen: Philippinisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserstraße 15, 60311 Frankfurt/M.,
Tel 0 69/2 08 93-94.

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