SUPPLEMENT: Reisemagazin

ARGENTINIEN: Im Land des Tangos

Dtsch Arztebl 1996; 93(44): [20]

Bohl, Erika

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LNSLNSLNSLNS Mitten in der fruchtbaren Pampa Argentiniens liegt Buenos Aires, die Stadt der "Guten Luft". Mehr als 12 Millionen Menschen wohnen zu beiden Seiten des Rio de la Plata. Buenos Aires ist eine europäische Stadt.
Die Hälfte der Einwohner von Buenos Aires ist italienischer Abstammung, die viertgrößte Gruppe ist deutschstämmig. Daneben gibt es spanische, arabische, polnische und jüdische Einwanderer. Zwar verbindet alle diese Menschen die gemeinsame Sprache – mit Ausnahme des Portugiesisch sprechenden Brasilien wird in Südamerika Spanisch gesprochen –, sie haben aber keine gemeinsamen Wurzeln und keine Identität.
Dennoch ist es ungeklärt. warum gerade Argentinien die Psychoanalyse zumVolkssport erhoben hat. War es die aufsteigende Mittelklasse der fünfziger Jahre, die nach den europäischen Wurzeln ihrer eingewanderten Vorfahren suchte, oder die Frustration in den zurückliegenden Jahren, in denen die einst reiche Nation zu einem Dritte-Welt-Land heruntergewirtschaftet wurde? War es die Kaffeehaus- und Tangomentalität? Nicht nur im Stadtteil la Boca wird auf Straßen und Plätzen Tango gespielt, gesungen und getanzt, auch in den Aufzügen der Hotels dudelt unaufhörlich, unüberhörbar diese sentimentale Musik; denn: "Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann" – er wurde durch den Franzosen Carlos Gardel zu einer argentinischen Institution.
Auf dem Land dagegen dominieren Lungentuberkulose (Ursache; Milch von tuberkulösen Rindern), Hepatitis A und Echinokokkose. "Als ich 1980 nach Bariloche in Patagonien kam", erzählte mir der Pathologe Dottore Samingo, "gab es noch bis zu 500 Fälle pro Jahr. Durch Aufklärung gelang es mir, diese Erkrankung einzudämmen. Ein größeres Problem sind die Stoffwechselkrankheiten, die nicht zuletzt infolge des hohen Fleischverzehrs (50 kg/Jahr Rindfleisch) ständig ansteigen."
Seit drei Monaten erhielten Ärzte und Pflegepersonal kein Gehalt – die Kassen sind leer. Um auf ihren finanziellen Notstand hinzuweisen, demonstrierten Ärzte und Pflegepersonal gemeinsam auf den Straßen. Vielleicht haben es einige von ihnen schon bedauert, nicht Hundeführer für ein Rudel Hunde geworden zu sein; denn um die Lieblinge der Familie spazierenführen zu lassen, zahlen ihre Besitzer für einen zweistündigen Spaziergang pro Tag immerhin 100 Dollar/Hund im Monat.
Als Erinnerung an die alte Heimat entstand mitten im Nationalpark am Lago Nahuel Huapi die Stadt San Carlos de Bariloche, das wohl bekannteste Skiparadies Argentiniens. Die Häuser sind im alpenländischen Stil gebaut, und die Schaufensterauslagen dieses Schokoladeparadieses erinnern an die Schweiz: In einer Straße liegt ein Schokoladengeschäft neben dem anderen, und die Souvenirs wecken Erinnerungen an Oberammergau. Wer Freude an Naturschönheiten – oder sollte man besser sagen: Naturgewalten – hat, kommt in Argentinien voll auf seine Kosten. Im Süden des Landes befindet sich in dem 600 000 Hektar umfassenden Los-GlaciaresNationalpark der bekannteste Gletscher dieser Region, der Perito Moreno. Er stellt eine Herausforderung für die Wissenschaftler dar: Während sich die Gletscher weltweit immer mehr zurückziehen, wächst dieser Eisberg und schlängelt sich zwischen den Gebirgszacken der Kordilleren dahin. Zusammen mit weiteren acht Gletschern mündet er in den 1 550 Quadratkilometer großen Lago Argentino.
Im subtropischen Norden Argentiniens liegen an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien im Nationalpark von Iguaçu die drittgrößten Wasserfälle der Welt. Sie wurden von der Natur halbkreisförmig in einer Gesamtbreite von 2 700 Metern angelegt und stürzen bis zu 72 Meter donnernd in die Tiefe. Auf brasilianischer Seite wird im Hotel Tropical das Cataratas für das Wohlergehen der Gäste bestens gesorgt. Bis zu den donnernden Wasserfällen sind es nur wenige Meter, da die Wasserfälle dem Hotel direkt gegenüber liegen. Auch die auf argentinischer Seite liegenden Wasserfälle sind von dem mitten im Urwald liegenden Hotel Intercontinental bequem per pedes zu erreichen. Der Teufelsrachen (garganto diabolo) ist auf der argentinischen Seite der Wasserfälle jedoch nur aus der Ferne als Gischtmasse erkennbar. Dieser garganto diabolo fordert jedes Jahr seine Opfer: unvorsichtige Touristen überschätzen die Kraft ihrer Motorboote, gelangen in den Sog des Strudels und werden in die Tiefe gerissen. Dr. Erika Bohl
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