THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Von der Unart zur Krankheit: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2004; 101(16): A-1082

Seidler, Eduard

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Der Autor ist, auch für die Leser des DÄ, dankbar für die wichtigen und so ausführlich wiedergegebenen Leserzuschriften. Von berufener Seite sind jene Entwicklungen angefügt worden, die zum gegenwärtigen „state of the art“ des Problems gehören, die aber nicht Gegenstand einer historischen Übersicht sein konnten. Seit in den 70er-Jahren in Deutschland die frühen Diskussionen zum Thema – vornehmlich von Lempp, Remschmidt, Nissen, Steinhausen u. a. – in Gang gesetzt wurden, hat sich auch hierzulande eine so breite Forschung entwickelt, dass hierfür eine eigene Darstellung notwendig ist. Sinn der vorgelegten historischen Überlegung war es dagegen, aufzuzeigen, wie sehr die Bemühungen um ein medizinisches, gesellschaftliches oder erzieherisches Erklärungsmodell die Beschäftigung mit dem Phänomen des hyperaktiven Kindes die gesamte Entwicklung durchziehen; sie sind nach wie vor Elemente des im Einzelfall zu entwirrenden „Ursachengeflechtes“ (Skrodzki/Grosse).
Wie sehr dabei die „gegenwärtigen Auseinandersetzungen eher den Charakter eines Glaubenskrieges als den eines echten wissenschaftlichen Dissenses“ (Townson) aufweisen, lässt sich an zahlreichen anderen, hier nicht abgedruckten und z. T. hochemotionalen Leserzuschriften ablesen. Fast alle haben übersehen, dass der historische Beitrag keinerlei wertende Stellung zu den aktuellen Therapiekonzepten bezogen hat. Die Frage allerdings, ob es die Verfügbarkeit eines für die Betroffenen und ihr Umfeld äußerst hilfreichen Medikamentes war, die aus dem vielfältigen Symptomenkomplex expansiver Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter eine leicht handhabbare Diagnose gemacht hat, musste jedoch aus den historischen Befunden heraus gestellt werden. Nach wie vor bleibt zu hoffen, dass alle, die Methylphenidat verschreiben, über die Fähigkeit zu der individuellen „richtigen und strengen Indikationsstellung“ (Schubert/Lehmkuhl) und multimodalen therapeutischen Breite verfügen, wie sie z. B. in den verschiedenen Leitlinien und Stellungnahmen der Fachverbände gefordert wird. Die Kinder sind das schwächste Glied der Gemeinschaft – „Sorgfalt und Selbstkritik“ (Funk) bleiben angesagt. Prof. Dr. Eduard Seidler
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