ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2004Hausarztmodelle: Zweischneidiges Schwert

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Hausarztmodelle: Zweischneidiges Schwert

Dtsch Arztebl 2004; 101(17): A-1121 / B-929 / C-905

Rabbata, Samir

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LNSLNS Zwei Meldungen – die auf den ersten Blick nicht direkt miteinander zusammenhängen – bestimmten die gesundheitspolitische Berichterstattung dieser Tage. Erstens:
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt steht kurz vor ihrer Entlassung. Zweitens: Die mit der Gesundheitsreform (GMG) eingeführte Praxisgebühr wird wieder abgeschafft. Der Wahrheitsgehalt der ersten (vom „Spiegel“ verbreiteten) Nachricht lässt sich derzeit nicht abschließend klären.
Dagegen lässt sich in puncto Praxisgebühr konstatieren, dass von einer Abschaffung, wie sie in Medienberichten irreführend in Aussicht gestellt wurde, keine Rede sein kann. Vielmehr haben einige Krankenkassen bekannt gegeben, so genannte Hausarztmodelle vorzubereiten. Als „Belohnung“ für eine Teilnahme winkt den Versicherten unter anderem der Wegfall der Praxisgebühr.
Die umstrittene Zuzahlungsregelung bleibt also in Kraft, sie könnte allenfalls unter bestimmten Umständen und zeitlich befristet ausgesetzt werden. Den Patienten sollte aber klar sein, dass sie sich dafür verpflichten müssen, für mindestens ein Jahr auf die freie Arztwahl zu verzichten. Aufsuchen können sie dann nur noch Hausärzte, die mit ihrer Krankenkasse entsprechende Verträge geschlossen haben.
Mit dem Modell möchte der Gesetzgeber den „Hausarzt als Lotsen im Gesundheitswesen“ etablieren. Echte oder vermeintliche Doppeluntersuchungen und unnötige Facharztkonsultationen sollen so verhindert werden. Ob sich damit aber Ausgaben vermeiden lassen, sei „wissenschaftlich nicht erwiesen“, warnte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Roland Stahl. Er sieht die Gefahr, dass die Kassen ihren Spielraum für Beitragssatzsenkungen beschneiden, wenn sie auf die Praxisgebühr verzichten.
Kurzfristig ist dies tatsächlich zu befürchten. Deshalb sind die angekündigten Modelle für Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Schmidt zwiespältig. Einerseits werden damit endlich strukturelle Neuerungen des GMG für den Patienten spürbar. Andererseits könnte dies bedeuten, dass die Beitragssätze bis Jahresfrist noch weniger sinken als angekündigt. Spätestens dann könnte für die Ministerin das Ende ihrer politischen Karriere Wirklichkeit werden. Samir Rabbata
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