ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2004Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Ursachen beleuchten

MEDIZIN: Diskussion

Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Ursachen beleuchten

Dtsch Arztebl 2004; 101(17): A-1173 / B-968 / C-945

Fuchs, Udo

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Autoren Burkhard Madea und Reinhard Dettmeyer beschäftigen sich zwar ausführlich mit einer lege artes durchgeführten Leichenschau und Todesbescheinigung, nicht aber mit den Ursachen einer schlampig durchgeführten Leichenschau.
Der Unterschied zwischen dem Rechtsmediziner und den niedergelassenen Ärzten besteht darin, dass diese für ihre Arbeit bezahlt werden, der niedergelassene Arzt dagegen so gut wie nicht.
Wird der Hausarzt zum Beispiel zu einem Verstorbenen ohne Angehörige, meist Sozialhilfeempfänger, gerufen, so soll er eine kompetente Leichenschau und Todesbescheinigung durchführen, bekommt dafür aber kein Honorar für Hausbesuch, Wegegeld, Todesbescheinigung. Wie sieht es da übrigens mit der Krankenkassenmaut, genannt „Praxisgebühr“, aus?
Als Krankenkassen und Regierung mir zum Überleben noch ausreichend Geld gaben, war es mir schon aus Pietätsgründen jahrelang nicht möglich, die Hinterbliebenen mit Geldforderungen zu konfrontieren. Jetzt, wo uns das Fell über die Ohren gezogen worden ist, und ich persönlich nur noch dank Rentenpower überleben kann, hat sich meine Denkweise geändert. Für eine kompetente Arbeit will ich auch, wie die beiden Rechtsmediziner, ein kompetentes Honorar bekommen.
Ich bitte daher um Verständnis, dass ich der geforderten Sanktion beim Übersehen einer versteckten Todesursache dadurch entgehe, indem ich nur noch den Tod des Verstorbenen feststelle. Das berühmte Messer im Rücken zu entdecken ist dann die Aufgabe von den Kollegen Madea und Dettmeyer.
Im Übrigen darf ich die beiden Kollegen darauf hinweisen, dass ich nach Feststellung eines gewaltsamen Todes bei einer Patientin absolut schutzlos den Rachegelüsten des Verursachers ausgeliefert war, obwohl ich die Bedrohung wiederholt den Gerichten mitgeteilt hatte.
Für eine Arbeit, die zum Nulltarif zu erbringen ist, auch noch Sanktionen zu fordern, zeigt, dass die Kollegen jeglichen Bezug zur Wirklichkeit verloren haben.
Wie wäre es mit einem neuerlichen Artikel über die Ausbeutung von Ärzten bei der ärztlichen Leichenschau und Todesbescheinigung?

Dr. med. Udo Fuchs
Steenwisch 105
22517 Hamburg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.