ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2004Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Verwirrende Abrechnungsgrundlagen

MEDIZIN: Diskussion

Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Verwirrende Abrechnungsgrundlagen

Dtsch Arztebl 2004; 101(17): A-1173 / B-968 / C-945

Schoeneich, Andreas

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LNSLNS Ein gelungener Übersichtsartikel, zu dem man den Autoren gratulieren kann. Einem genannten Punkt des Ursachenkomplex „für die Misere der ärztlichen Leichenschau“ muss besonders zugestimmt werden: der unzureichenden Honorierung.
In der Grafik 1 wird ausgeführt, dass der Leichenschau zumeist Not-
ruf, Aufsuchen des Patienten und vielleicht noch erste Reanimationsbemühungen, nach frustranem Versuch dann das Abwarten der sicheren Todeszeichen vorausgehen. Die eigentliche Leichenschau kann bei Befolgung der genannten Kriterien eine halbe bis zwei Stunden dauern, insbesondere, wenn es sich um völlig unbekannte Patienten handelt. Hierfür, so schreibt der Bürgermeister einer nahen Stadt an die Leichenbestatter, darf der Arzt „ausgehend von einem Fall mit besonderen Schwierigkeiten und zur Nachtzeit maximal die Gebühr von 61,23 Euro berechnen“ und beruft sich dabei auf die Auskunft der regionalen Ärztekammer.
In der Tat ließ sich auch die hiesige Ärztekammer im Fall eines in der Wohnung umgefallenen Privatpatienten zu folgender Stellungnahme hinreißen: „Der Tod des Patienten ist zum Zeitpunkt der Anforderung des Besuchs bereits angenommen worden. Aus diesem Grund können wir nicht erkennen, dass die Ziffer 50 und der damit verbundene Zuschlag C in Ansatz gebracht werden kann.“
Es muss immer wieder betont werden, dass bei notfallmäßigem Aufsuchen eines plötzlich leblosen Patienten sehr wohl ein Besuch vorliegt, auch wenn dann nur der Tod festgestellt werden kann (siehe auch Schneider: Die Leichenschau, G. Fischer-Verlag, und F. Hach: Fachkommentar GOÄ und EBM, Demeter-Verlag).
Solange aber selbst die Ärztekammer den Kollegen in den Rücken fällt,
die für die beschriebene verantwortliche, aufwendige zumeist außerhalb der Praxis stattfindende und rechtlich nicht ungefährliche Tätigkeit (auch für den fast immer durchgeführten Notfallbesuch) eine angemessene Vergütung verlangen, wird wohl bald kein Arzt mehr hierfür seine Praxis oder sein Bett verlassen.

Dr. med. Andreas Schoeneich
Holtweg 68
25524 Itzehoe

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