ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2004Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Forderungen unzumutbar

MEDIZIN: Diskussion

Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Forderungen unzumutbar

Dtsch Arztebl 2004; 101(17): A-1175

Köhl, Rainer

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LNSLNS Kernpunkt der Aussage über die entsprechende Tätigkeit der niedergelassenen Ärzte ist die Angabe, dass nur ein Prozent die Leiche vor der Untersuchung völlig entkleiden und dadurch das Übersehen von kriminellen Handlungen vorprogrammiert sei.
Ich stimme in diesem Punkt zwar mit Herrn Prof. Madea überein, meine aber, dass es dem Autor besser angestanden hätte, darauf hin zu weisen, dass diese Forderung unzumutbar und in den meisten Fällen gar nicht zu erfüllen ist. Rein physisch ist es ohne Hilfe meist unmöglich eine oft schwergewichtige Leiche zu entkleiden geschweige denn umzudrehen.
Diese Forderung stellt eine Nötigung des Arztes durch die Behörde dar. Die Gerichtsmediziner sollten meines Erachtens vielmehr eine amtliche Leichenschau in einer Leichenhalle fordern, wo entsprechendes Hilfspersonal zur Verfügung steht.
Solange aber von staatlicher Seite die beschriebene unhaltbare Forderung aufrechterhalten wird, gibt es meines Erachtens für den niedergelassenen Arzt nur folgende Konsequenz:
1. Sofortige Todesfeststellung wie behördlich gefordert.
2. Falls keine eindeutigen Todeszeichen vorliegen gegebenenfalls nach acht Stunden und dem Vorliegen der Leichenstarre erneute Untersuchung und erst dann Ausstellung der Todesbescheinigung.
3. Abgesehen von ganz klar ersichtlichen Fällen sollte viel mehr von der Möglichkeit Gebrauch gemacht werden, Todesursache „ungeklärt“ anzukreuzen. Damit wäre eine behördliche Untersuchung und Verantwortung zu erzwingen.

Dr. med. Rainer Köhl
Lehmwiese 16
46282 Dorsten

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