ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2004Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Schlecht bezahlt ist schlecht gemacht

MEDIZIN: Diskussion

Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung: Schlecht bezahlt ist schlecht gemacht

Dtsch Arztebl 2004; 101(17): A-1175

Certain, Cornel

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LNSLNS Als hausärztlicher Internist in Baden-Württemberg muss ich auf eine weitere „Fehlerquelle“ hinweisen. Seit einigen Jahren leiden wir unter einem achtseitigen in drei verschiedene Umschläge zu versorgenden Formular in Über-DIN-A4-Größe. Dieses am Totenbett (oft bei Schummerbeleuchtung) und ohne Schreibunterlage auszufüllen, gelingt kaum fehlerfrei. Wer weiß zudem am Wochenende gerufen die ICD-Verschlüsselung bis ins Detail auswendig?
Ich warne darüber hinaus vom Hinausposaunen von solchen Aussagen, dass in 60 Prozent keine Übereinstimmung zwischen Leichenschau und Obduktionsdiagnose in Altenheimen bestünden. Wir geben einem Bildzeitungsjournalismus Vorschub bei einer Presse und einer Politik, die uns Ärzte zu gerne an den Pranger stellt!
Mein persönliches Fazit ist: Eine gründliche Leichenschau tut Not.
Aber es gilt auch: Was schlecht bezahlt wird, wird schlecht gemacht.
Solange die Leichenschau mit Anfahrt und tröstendem und erläuterndem Gespräch mit den Angehörigen weniger wert ist, als zum Beispiel eine bloße Anfahrt des Mechanikers (beispielsweise um unser Sonogerät zu reparieren) braucht Herr Prof. Madea nicht die „Unerfahrenheit, Sorglosigkeit und Bequemlichkeit des Arztes“ anzuprangern.

Dr. med. Cornel Certain
Hinterhauserstraße 7
78464 Konstanz

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