ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996Gesündere Kost statt Antihypertonika: Blutdrucksenker aus dem Supermarkt

SPEKTRUM: Akut

Gesündere Kost statt Antihypertonika: Blutdrucksenker aus dem Supermarkt

Koch, Klaus

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LNSLNS Veränderungen im täglichen Speiseplan können für einen Großteil der Hypertoniker die Therapie mit Medikamenten überflüssig machen. Zwei auf der diesjährigen Jahrestagung der American Heart Association vorgestellte Studien unterstreichen eindrücklich die Rolle der Ernährung – und wie schnell sich Umstellungen auswirken. In der DASH-Studie (Dietary Approaches to Stop Hypertension) an 459 Freiwilligen mit einem systolischen Wert unter 160 mm Hg und einem diastolischen Wert zwischen 80 und 95 mm Hg sank der Blutdruck mit dem Umstieg von "normaler" amerikanischer Durchschnittskost auf einen Speiseplan mit mehr Obst und Gemüse und weniger tierischem Fett schon nach zwei Wochen durchschnittlich um etwa 6/3 mm Hg.


Besonders ausgeprägt war die Wirkung bei den 20 Prozent in die Studie eingeschlossenen Hypertonikern. Hier fiel der Blutdruck sogar um etwa 11/6 mm Hg. "Das entspricht der Wirkung eines Medikaments", betont Thomas J. Moore (Harvard Medical School), Leiter der Studie. Um den Speiseplan realitätsnah zu halten, wurde streng darauf geachtet, nur handelsübliche Lebensmittel zu verwenden. "Das meiste wurde in Supermärkten eingekauft", beschrieb Moore. Allerdings erlaubt die Studie keine Rückschlüsse auf einzelne Inhaltsstoffe. Moore erklärt die Wirksamkeit als Kombination vieler kleiner Unterschiede, etwa Fettzusammensetzung, Mineral- und Ballaststoffgehalt. Wichtig ist allerdings, daß der Blutdruckabfall nicht durch Gewichtsverlust, Salz- oder Alkoholreduktion erklärt werden kann. Was Kalorienzahl, Kochsalzgehalt und erlaubten Alkohol anging, waren die Speisepläne identisch.


Eine zweite Studie belegt, daß der Nutzen der Ernährungsumstellung auch bei bereits langfristig medikamentös behandelten Patienten zu erwarten ist. In der TONE-Studie (Trial of Nonpharmacologic Interventions in Elderly) hatten 975 Patienten mit medikamentös therapierter Hypertonie eine Salz- und/oder Gewichtsreduktion begonnen und dann die Medikamente abgesetzt. Im Durchschnitt hielten die Patienten während der fast dreijährigen Begleitphase eine Gewichtsreduktion um etwa sechs Kilogramm und eine Begrenzung der Salzaufnahme auf 2,5 bis drei Gramm täglich durch. Der Erfolg: Nach 30 Monaten lag bei über 40 Prozent der "Ernährungs-Behandelten" der Blutdruck immer noch unter 150/90 mm Hg – ohne Medikament. Zu denken geben die Kontrollgruppen, die keinerlei Änderungen ihres Lebensstils vollzogen: Hier hatten drei Jahre nach Absetzen der Medikamente 30 Prozent einen "normalen" Blutdruck – was die Frage aufwirft, ob sie jemals eine Hypertonie hatten. Klaus Koch

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