ArchivDeutsches Ärzteblatt19/20041. Deutsch-Koreanische Tagung: Verbesserte Versorgung, offene Wünsche

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1. Deutsch-Koreanische Tagung: Verbesserte Versorgung, offene Wünsche

Dtsch Arztebl 2004; 101(19): A-1322 / B-1094 / C-1058

Lie, T. S.; Koch, Hans

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LNSLNS Das Interesse an Fortbildungsangeboten aus Deutschland ist weiterhin groß. Es mangelt an modernen Geräten.

Während des Aufenthaltes einer Delegation der Deutsch-Koreanischen Association für Medizin e.V. (DVRK) in Pjöngjang in der Zeit vom 4. bis 10. Oktober 2003 fand dort im Kulturpalast eine von der Deutschen Botschaft in Pjöngjang und dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik unterstützte erste Tagung statt. 14 Ärzte, die während der Jahre 2001 bis 2003 auf Einladung der DVRK in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) einen längeren Fortbildungsaufenthalt in Deutschland durchführen konnten, referierten über ihre Erfahrungen in den Fachrichtungen Pulmologie, HNO-Heilkunde, Augenheilkunde, Pharmazie, Herzchirurgie, Unfallchirurgie.
Pulmologen berichteten über neue Erkenntnisse, vor allem aber über ein gewonnenes Selbstvertrauen, bedauerten allerdings, dass sie nicht über flexible Bronchoskope verfügten, um alles neu Erlernte effektiv einsetzen zu können.
Hals-Nasen-Ohren-Ärzte konnten nach ihrer Fortbildung am Klinikum Cottbus ebenfalls moderne Therapieverfahren einführen, insbesondere die Head and Neck Surgery, die bislang in Korea nicht durchgeführt wurde. Sie hoffen auf ein Operationsmikroskop.
Augenärzte konnten an der Augenklinik der Universität München Lasik-Operationsverfahren trainieren und so in Korea die Fehlsichtigkeit mit exzellentem Erfolg behandeln.
Pharmazeuten berichteten über Verwaltungstechniken, die sie in der Klinikapotheke der Charité in Berlin erlernt hatten, sodass die Medikamentenkontrolle sowie das Rezeptwesen in Korea reorganisiert werden konnten.
Nach einem Aufenthalt am Herzzentrum Berlin konnten in Nordkorea neue Therapien und Operationsverfahren eingeführt werden. So wurde zum Beispiel erstmals eine Fallot-Tetralogie erfolgreich operiert.
Unfallchirurgen konnten nach einem Aufenthalt im Unfallkrankenhaus Berlin und einer dort vermittelten Gerätespende im Wert von 400 000 Euro mit großem Erfolg operative Osteosynthesen durchführen.
Die Erfahrungsberichte wurden unter Moderation des Generalsekretärs der DVRK, Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. T. S. Lie, im Beisein des Vizegesundheitsministers, Prof. Choe, Chang-Sik, eingehend diskutiert. Choe fasste die Ergebnisse zusammen: Der sechsmonatige Aufenthalt in Deutschland war im Allgemeinen ausreichend, da die Stipendiaten bereits sieben- bis zehnjährige klinische Erfahrungen hatten. Für das Erlernen spezieller Operationsverfahren, zum Beispiel in der Herzchirurgie, wäre jedoch ein einjähriges Training erforderlich. Alle Stipendiaten konnten nach Rückkehr in ihre Heimat die Versorgung der Patienten in ihrem Fachgebiet wesentlich verbessern. Offen blieben lediglich Wünsche nach weiteren Spenden von Geräten. Choe dankte für die geleistete Arbeit und sprach sich für eine Weiterführung der Fortbildungsmaßnahmen in Deutschland aus.
Auf einer wissenschaftlichen Veranstaltung sprach Prof. Dr. Hans-Reinhard Koch vom DAAD über Augenchirurgie, bei der 40 in den Krankenhäusern Pjöngjangs tätige Augenärzte anwesend waren und Fragen zu Operationstechniken stellten. Die Teilnehmer äußerten die Hoffnung, dass es bei weiteren Veranstaltungen in Zukunft ebensolche wissenschaftlichen Vorträge geben sollte.
Im Rahmen der Tagung hatten die Teilnehmer aus Deutschland Gelegenheit, verschiedene Krankenhäuser zu besichtigen. Im Vergleich zu dem ersten Besuch im Jahr 2001 war das Universitätshospital in Pjöngjang komplett renoviert. Es waren neue Geräte für Diagnostik und Therapie vorhanden, zumeist von ausländischen (auch von südkoreanischen) Kliniken gespendet. Auch das zweite Volkskrankenhaus in Pjöngjang, das mit 1 200 Betten ein Einzugsgebiet von circa 1,5 Millionen Einwohnern betreut, war nicht mehr baufällig wie noch 2001, sondern renoviert und mit neuen Geräten ausgestattet. Im Operationssaal fand sich allerdings noch ein gut 60 Jahre alter festinstallierter Autoklav. Der Mangel an modernen Arzneimitteln wird in Nordkorea durch die Verwendung traditioneller Heilpflanzen-Präparate ausgeglichen. Der Delegation wurde ein kleiner Garten auf dem Krankenhausgrundstück gezeigt, der zu Lehrzwecken und zum Anbau verschiedener Heilpflanzen genutzt wird.
Kinderstation im 2. Volkskrankenhaus in Pjöngjang: Die kleine Patientin leidet an einer Tibiafraktur. Foto: T.S. Lie
Kinderstation im 2. Volkskrankenhaus in Pjöngjang: Die kleine Patientin leidet an einer Tibiafraktur. Foto: T.S. Lie
Das etwa 200 Kilometer nördlich von Pjöngjang gelegene Kreiskrankenhaus in Hyangsan versorgt mit 70 Ärzten und insgesamt 165 Mitarbeitern sowie 206 Betten ein Einzugsgebiet von 50 000 Einwohnern. Das 60 Kilometer südlich von Pjöngjang gelegene Kangnam-Kreiskrankenhaus wurde gegenüber dem Besuch von 2001 inzwischen renoviert, die medizinische Einrichtung jedoch kaum erneuert. Das Ärzteteam dieses Krankenhauses übernimmt auch die hausärztliche Versorgung einschließlich der Hausbesuche. Im Labor fehlten Reagenzien, der Laborarzt klagte über einen allgemeinen Versorgungsengpass mit Chemikalien. Die Behandlung erfolgte teils nach westlichen, teils nach traditionell koreanischen Prinzipien. Beim Besuch des Operationssaales fiel ein nur als historisch zu bezeichnender OP-Tisch mit einem ebensolchen Narkosegerät auf. Die Augenabteilung konnte wegen geringen Patientenaufkommens in der Zeit der Herbstferien nicht besucht werden, zumal der Augenarzt mit weiteren Ärzten in den Wäldern der Umgebung unterwegs war, um Heilkräuter zu sammeln.
Modernere Pharmaproduktion
In der Pjöngjang Pharmaceutical Company fand sich im Gegensatz zu dem Besuch 2001, über den bereits im Deutschen Ärzteblatt (DÄ, Heft 40/2001) berichtet wurde, eine vom Diakonischen Werk gespendete moderne Tablettenherstellungsmaschine neben den alten Geräten aus den 40er- und 50er-Jahren. Dennoch war eine deutliche Verbesserung der maschinellen Ausstattung, der Bausubstanz und der Sauberkeit der Räume festzustellen. Die Geschäftsleitung berichtete über ein Joint-Venture-Geschäft mit einer Schweizer Firma.
Nach den positiven Ergebnissen der Tagung in Pjöngjang wird die medizinische Fortbildung von koreanischen Ärzten in Deutschland intensiviert. In Vorbereitung sind Fortbildungsaufenthalte für zehn weitere Ärzte (zwei Pädiater, zwei Laborärzte, zwei Gynäkologen, zwei Internisten, ein Neurochirurg, ein Orthopäde), die mit finanzieller Unterstützung der DVRK, des DAAD und der gastgebenden Krankenhäuser erfolgen werden.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. T. S. Lie1
Prof. Dr. med. Hans Koch2


1 Generalsekretär der Deutsch-Koreanischen (DVRK)
Association für Medizin e.V.
Adolfstraße 9–11, 53111 Bonn
2 (DAAD-Vertreter)
Augenklinik Dardene
Friedrich-Ebert-Straße 23, 53177 Bonn


Geld- und Sachspenden erbeten
Sachspenden können an die Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea in 10117 Berlin, Glinkastraße 5–7, geschickt werden. Geldspenden sind auf dem Konto der Deutsch-Koreanischen Association für Medizin, Konto-Nr. 0 206 790 000 bei der Dresdner Bank Bonn (BLZ 370 800 40), willkommen. Sie können steuerlich abgesetzt werden, da der Verein als gemeinnützig anerkannt ist.
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