ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2004Gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter Strahlenexposition: Ergänzung

MEDIZIN: Diskussion

Gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter Strahlenexposition: Ergänzung

Dtsch Arztebl 2004; 101(19): A-1346 / B-1116 / C-1080

Aschermann, Christine

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LNSLNS Sehr erfreulich dieser Artikel, der in ungewohnter Deutlichkeit Studien zitiert, die auf die Gefährlichkeit des Mobilfunks hinweisen. Bisher wurden ja Risiken schlicht verneint und Stimmen, die das Gegenteil behaupteten, als Panikmacher abgetan.
Nicht aufgeführt wird allerdings die Belastung durch niederfrequent gepulste DECT-Telefone und auch die neueren Studien über gesundheitliche Störungen im Bereich von Mobilfunksendern werden nicht erwähnt. Angesichts der Brisanz der bisher bekannt gewordenen Studienergebnisse ist eine abwartende Haltung von Medizinern und Politikern gar nicht mehr zu vertreten, wenn auch psychologisch verständlich.
Vor kurzem durften wir im Deutschen Ärzteblatt lesen, dass es zwei Arten von Beweisführung gibt, die eine, die den Wirkmechanismus darlegt, die andere, die auf Beobachtung beruht (gleiche Ursachen führen zu gleichen oder ähnlichen Folgen). Wenn weltweit zu beobachten ist, dass Tiere (Kühe und andere) sterben oder Missgeburten zur Welt kommen, wenn Bäume verkümmern und sterben (deutlich zu sehen entlang den Autobahnen), nachdem ein Mobilfunksender in Betrieb gegangen ist – sind wir so engstirnig in unserer Denkweise, dass wir glauben, wir Menschen würden nicht beeinflusst? Unsystematisch von mir zusammengestellte Informationen aus verschiedenen Studien geben mir zu denken: Zunahme von Muskel- und Skeletterkrankungen, von psychischen Erkrankungen, laut Jahresbericht von AOK und TK, von Depressionen (Volker Faust 2002), von Frühberentungen aus psychischen Gründen (laut Verband der Vertragspsychotherapeuten Südwürttemberg), von Früh- und Fehlgeburten in der benachbarten Frauenklinik (persönliche Mitteilung), von Schwangerschaftstoxikosen (eigene Klientel, die in den letzten Jahren entbunden hat).
Als Psychotherapeutin habe ich im Laufe von sieben Jahren viele Fälle gesammelt von Gesundheitsproblemen aller Art bei Menschen, die im Umfeld eines Mobilfunksenders leben. Die häufigsten Symptome sind zunächst einmal – wie bei anderen umweltbedingten Störungen auch – die zum Teil extreme Vergesslichkeit, auch bei jüngeren Personen, und die Tendenz zu Fehlhandlungen (meist sehr schambesetzt, deshalb verschwiegen), die – den Psychiatern gut bekannte, den übrigen Ärzten wohl nicht so auffallende – reduzierte, affektive Schwingungsfähigkeit und die herabgesetzte Flexibilität der Persönlichkeit in der Art zu reagieren.
Später können Syndrome wie Fibromyalgie, Chronique-Fatigue-Syndrom, Multiple Chemical Sensitivity hinzutreten, Syndrome, die in meiner Klientel explosionsartig zugenommen haben, und im weiteren Verlauf kommen Leukämie und Tumoren hinzu. Zur besseren Risikoabschätzung bei meinen Patienten frage ich gezielt nach Erkrankungen in der Umgebung (Angehörige, Nachbarn) meiner Klientel. Neben einer Häufung von Tumoren wird über Gefäßprozesse (Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose), Allergien, Rheuma und Hormonstörungen (Wachstumsstillstand bei Kindern) berichtet.
Leider ist der Ausbau des Mobilfunks und die Versorgung mit DECT-Telefonen in der Bevölkerung schon soweit fortgeschritten, dass man kein unbelastetes Kollektiv mehr findet. Unter diesen Umständen lässt sich im Grunde keine saubere wissenschaftliche Studie mehr durchführen. Angesichts dieser Sachlage ist zu fordern, dass sofort gehandelt wird – bevor neue Studienergebnisse vorliegen: Stopp des Ausbaus vom Mobilfunk, Verbot von Handy für Kinder und Jugendliche, Verbot der Technik nach DECT-Standard.

Weiterführende Literatur bei der Verfasserin.

Dr. med. Christine Aschermann
Eichenstraße 6
88299 Leutkirch

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