ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996Arzneimittel: Erinnerung an ehemalige DDR

SPEKTRUM: Leserbriefe

Arzneimittel: Erinnerung an ehemalige DDR

Kilian, R.

Zu dem Beitrag "Rationierte Arzneimittelversorgung?" von Dr. med. Peter Schwoerer in Heft 43/1996
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LNSLNS Wie sich bei Mangelverwaltung verschiedene Systeme doch gleichen! Mit der Einführung der Arzneimittelbudgets fällt mir eine Episode ein, die ich anläßlich einer Musterung, zu der ich verdonnert wurde, erlebte: Bei der Einweisung in die Abläufe der Musterung wurde uns musternden Ärzten erklärt, daß 93 Prozent der Wehrpflichtigen laut Befehl als wehrfähig zu befinden seien. Im Gespräch mit dem Leiter des Wehrkreiskommandos versuchte ich zu erläutern, daß der Gesundheitszustand und damit die Wehrfähigkeit möglichst genau festzustellen sind, daß aber der Gesundheitszustand die feststehende Größe sei und nicht die kraft Befehls vorgegebene Prozentzahl. Die lakonische Antwort damals: "Das versteht Ihr Nichtmilitärs eben nicht."
Jetzt wird offensichtlich der Gesundheitszustand der gesamten Bevölkerung Deutschlands im Ge­sund­heits­mi­nis­terium und bei den Krankenkassen festgelegt. Dafür wird eine beträchtliche Geldsumme bereitgestellt. Wenn die Bevölkerung aber kränker ist als eingeschätzt und die bereitgestellten finanziellen Mittel nicht reichen, sollen die Mehrkosten von der Ärzteschaft getragen werden in Form von Punktwertverfall und Arzneimittelregressen. So etwas haben uns zu DDR-Zeiten nicht einmal die Kommunisten zugemutet. Daß Mangel schwer zu verwalten ist, ist allen bekannt. Was sich die Politiker und Spitzenvertreter der Krankenkassen und der Ärzteschaft als letzten Clou dazu einfallen ließen, erinnert mich sehr unangenehm an die Militärs der ehemaligen DDR.
Dr. med. R. Kilian, Altmarkt 14, 08280 Aue
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