ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996Umweltmedizin – Erwartet: Wirksame Behandlung

SPEKTRUM: Leserbriefe

Umweltmedizin – Erwartet: Wirksame Behandlung

Zörkler, W.

> Zu den Beiträgen "Beschreibungen sind derzeit wichtiger als Erklärungen" von Dr. med. Dr. Dr. Felix Tretter in Heft 34?35/1996 und "Eine Standortbestimmung" von Dr. med. Renate Wrbitzky et al. in Heft 39/1996
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LNSLNS . . . Das sichere Wissen über Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit, über mögliche Funktionsstörungen im Organismus durch elektrische, magnetische und/oder elektromagnetische Felder im Niedrigdosisbereich ist insgesamt eher spärlich. Aus der Sicht der Arbeitsmedizin werden unspezifische Störungen und Symptome durch diese Felder den "umweltassoziierten Einflüssen" zugeordnet und ein Kausalzusammenhang zwischen den angeschuldigten Umweltnoxen und den aufgetretenen Beschwerden als wissenschaftlich nicht eindeutig belegt angesehen. Die hier verwendeten Kausalitätskriterien resultieren aus der Entwicklung der arbeitsmedizinischen Begutachtungspraxis, wo es um die arbeitsplatz- und betriebsanlagenbezogene Beurteilung beruflich bedingter Gesundheitsstörungen und deren eventuelle Entschädigung durch die Berufsgenossenschaften geht. Die Rechtsprechung verlangt hier strenge Maßstäbe mit einer zweifachen Kausalität (haftungsbegründende und haftungsausfüllende Kausalität). Für die umweltmedizinische Begutachtung gilt selbstverständlich ebenfalls das Kausalitätsprinzip, jedoch entziehen sich oft mehrere Kausalitätskriterien der Verwendung. Bei Beeinträchtigungen durch sogenannten Elektrosmog ist inzwischen bekannt, daß die humane Elektrosensibilität eine individuelle Größe darstellt und zudem von Tag zu Tag geringfügige Abweichungen bezüglich einzelner Frequenzen oder Frequenzbänder aufweist. Es handelt sich also um eine individuelle, variierende Frequenzempfindlichkeit ohne statistisch signifikante Assoziation, ohne Spezifität, ohne statistische Signifikanz, ja sogar ohne sichere Reproduzierbarkeit der Symptome. Es besteht zudem keine lineare Dosis-Wirkung-Beziehung, wohl aber sind Auslaßversuche absolut treffsicher und lassen die individuellen Symptome schlagartig verschwinden (Gelenk- und Rückenschmerzen, Herzdruck, Migräne, Nervosität, Schlafstörungen). Die teils unter einem hohen Leidensdruck stehenden Betroffenen, bei denen keine psychische Genese der Beschwerden anzunehmen ist, erwarten vom Umweltmediziner eine wirksame Behandlung. Wenn diese durch Beseitigung der angeschuldigten Umweltnoxe unter Ausschluß anderer möglicher Ursachen gewährleistet ist, kann hier durchaus legitim von einem Kausalzusammenhang zwischen Noxe und Störung gesprochen werden.
Dr. med. Kurt W. Zörkler, Am Bahnhof 2, 95236 Stammbach
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