ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2004Günter Grass: Diesseits und jenseits von Arkadien

VARIA: Feuilleton

Günter Grass: Diesseits und jenseits von Arkadien

Dtsch Arztebl 2004; 101(20): A-1439 / B-1201 / C-1155

Gold, Dagmar

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Foto: Arteviva Galerie
Foto: Arteviva Galerie
In mehreren Ausstellungen sind Zeichnungen und Aquarelle des Schriftstellers zu bewundern.

Bei seinem Aufstieg als Schriftsteller ließ Günter Grass von der Bildhauerei, aber grafische Arbeiten begleiten bildhaft das geschriebene Werk und ergänzen sich oft gegenseitig. Sie entstammen demselben Fundus der Bilder und Metaphern der Impulse und Impressionen, kurz, derselben Weltsicht, derselben Fantasie. „Er erkennt im Alltäglichen das Besondere, das Nichtalltägliche. Mehr noch:
Er ist fasziniert vom Reiz und Charme des Prosaischen, erhebt das Prosaische zum Poetischen“, schrieb Marcel Reich-Ranicki über Grass.
Als Grass seinen Freund Volker Schlöndorff, Regisseur des Films „Die Blechtrommel“, in dessen toskanischem Landhaus besuchte, war er von dem Fensterblick eingenommen, der sich auf die sanft
geschwungenen, toskanischen Hügel erstreckte. Mit zwei neuen Landschaftsbildern tritt er dieses Jahr wieder als Maler und Grafiker in Erscheinung. Die lithographische Technik ermöglichte es ihm, die fließenden Formen der weiten Landschaft einzufangen, die sich im weichen Frühlingslicht des Südens in zarten Farben darbot. Die von einem tiefen Dunkelblau durchtränkte, melancholische Vedute „Hafeneinfahrt Port Bou“ entstand auf der Reise mit einem seiner Söhne zu dem Ort an der spanisch-französischen Grenze, wo Walter Benjamin sich 1940 das Leben nahm: ein Kunstwerk als Hommage an den Schriftstellerkollegen.
Toskanische Landschaft Fotos: © VG-Bild-Kunst, Bonn
Toskanische Landschaft Fotos: © VG-Bild-Kunst, Bonn
Grass boomt. Bis Ende März zog es Kunstliebhaber ins Grass-Haus nach Lübeck zu „Mein Jahrhundert. 100 Aquarelle – 100 Geschichten“. Bilder, die zur Sammlung Reinhold Würth gehören und als Leihgaben aus dem Museum Würth kommen, sind zusammen mit den Jahresblättern aus der Sammlung des Grass-Hauses erstmalig in Lübeck zu sehen. In der Altstadt gelegen, ist dieses Haus für den Literaturnobelpreisträger nicht irgendein Haus: Seit 1995 hat der Schriftsteller dort sein Büro, bearbeitet seine Post, genießt ab und zu beim Weinhändler im Parterre einen Schluck Rotwein. Dort lebt und arbeitet er, den Bundespräsident Johannes Rau gerade erst als „Patriarchen der deutschen Literatur“ bezeichnet hat, der schon heute „eine Legende, ein Mythos“ sei.
Hafeneinfahrt von Port Bou
Hafeneinfahrt von Port Bou
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Vom 3. April bis 31. Mai präsentiert sich Grass in „Diesseits und jenseits von Arkadien“ zusammen mit Goethe als Landschaftszeichner. Die Ausstellung zeigt in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Nationalmuseum/Stiftung Weimarer Klassik etwa 90 Werke, davon 50 Zeichnungen von Goethe und 40 von Grass. Sie wird von Vorträgen, Filmvorführungen und Lesungen begleitet. Im Steidl Verlag erscheint ein Begleitband zur Ausstellung.
Im Goethe-Nationalmuseum in Weimar schließlich sind vom 28. August bis zum 17. Oktober in einer Sonderausstellung in der Treppengalerie diese und weitere Landschaftszeichnungen von Goethe und Grass zu sehen. Unter demselben Titel „Diesseits und jenseits von Arkadien“ bieten rund hundert Arbeiten zweier durch die Zeit getrennten Literaten mit zeichnerischer Begabung einen ungewöhnlichen, zum Teil provozierenden Vergleich. Dagmar Gold



Informationen: Goethe-Nationalmuseum, Frauentorstraße 4, Weimar. www.swkk.de; Günter-Grass-Haus, Glockengießerstraße 21, Lübeck. www.guenter-grass-haus.de. Für die Leser des Deutschen Ärzteblattes sind Original-Grafiken in Farben bei der Edition Deutscher Ärzte-Verlag erhältlich: Algrafie von acht Aluminiumplatten, limitierte Auflage, 150 Exemplare, nummeriert und vom Künstler handsigniert. Papierformat: 36 x 48,5 cm. Gerahmt, unter Passepartout, drei Zentimeter Silberleiste: circa 50 x 60 cm. Gedruckt in der Lithowerkstatt Christian Müller, Großpösna/Leipzig. Gerahmt in Silberleiste jeweils 695 Euro. Ungerahmt jeweils 550 Euro. Edition Deutscher Ärzte-Verlag GmbH, Dieselstraße 2, 50859 Köln, Telefon: 0 22 34/7 01 13 24.

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