ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2004Altersvorsorge: Rechtzeitig angehen

VARIA: Wirtschaft

Altersvorsorge: Rechtzeitig angehen

Dtsch Arztebl 2004; 101(20): A-1441 / B-1202

Jobst, Peter

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LNSLNS Der finanziell sorglose Ruhestand will gut geplant sein. Bei der Konzeption lauern auch Gefahren.

Spätestens mit dem 50. Lebensjahr – so raten Experten – sollte sich jeder Besserverdienende Gedanken um seine wirtschaftliche Zukunft machen. Einerseits ist dann noch ausreichend Zeit, um die Altersvorsorge zu optimieren. Andererseits ermöglicht eine frühzeitige Weichenstellung eine optimierte Vorsorgeplanung – sowohl unter Rendite- als auch unter Steuer-Gesichtspunkten.
Das Problem: Die Kreditinstitute haben meist wenig Interesse an dieser Zielgruppe. So beginnt bei den Großbanken eine individuelle und auch für den Kunden vorteilhafte Beratung im Rahmen des so genannten Private Banking meist erst ab Anlagesummen von mehreren Millionen Euro. In verstärktem Maß gilt dies für Privatbanken, die mit den typischen Kundenvermögen zwischen 500 000 und einer Million Euro meist nicht viel mehr anzufangen wissen als die Anlage in einer standardisierten Fondslösung – einschließlich hoher Gebühren und geringer Rendite. Hingegen wären regionale Banken und Sparkassen durchaus an dieser Klientel interessiert. Jedoch mangelt es ihnen oftmals an der notwendigen Kompetenz, um neben der reinen Geldanlage auch andere wichtige Bestandteile der Vorsorgeplanung zu berücksichtigen, etwa in Hinblick auf die Besteuerung oder gar die Vermögensübertragung. Freie Vermögensberater und Versicherungsvermittler interessieren sich hingegen vor allem für ihre Provisionen, eine unabhängige Beratung ist selten zu erwarten.
Doch auch die eigene Planung ist nicht so kompliziert, wie dies auf den ersten Blick erscheinen mag. Entscheidend ist es vor allem, den Überblick zu gewinnen und zu behalten, wobei schriftliche Aufzeichnungen die Planung wesentlich erleichtern. Am Anfang steht dabei die Bestandsaufnahme. Hier gilt es, einerseits die im Ruhestand zu erwartenden laufenden Einnahmen zu beziffern, andererseits die bestehenden Geldanlagen detailliert mit Renditeerwartung, regelmäßigen Erträgen und Fälligkeiten aufzulisten.
Zu den laufenden Einnahmen zählen unter anderem Miet- und Pachterträge, regelmäßige Leistungen aus dem Versorgungswerk und eventuelle weitere Rentenansprüche. Die Spannweite der Geldanlagen reicht vom klassischen Sparbuch über das Wertpapierdepot bis hin zu steuersparenden Kapitalanlagen, Lebensversicherungsverträgen und vermieteten Immobilien.
Diese Aufstellung gibt einen ersten Überblick darüber, welche regelmäßigen Leistungen nach Eintritt in den Ruhestand zu erwarten sind und wann welche Geldanlagen fällig werden und damit neu disponiert werden müssen. Zudem zeigt sie, ob nach Eintritt in den Ruhestand bereits ausreichende finanzielle Leistungen zur Verfügung stehen oder ob im Lauf der Jahre bestehende Geldanlagen liquidiert werden müssen.
Das Portfolio „ausmisten“
Der nächste Schritt gilt der Optimierung der Geldanlage. Dabei sollten Anleger darauf achten, dass das Vermögen angemessen gestreut ist, das heißt, dass insbesondere riskantere Formen der Geldanlage – etwa Aktien oder Aktienfonds – kein Übergewicht bekommen. Denn nur so schützen sie sich vor möglichen schmerzlichen Erfahrungen, wenn Geld benötigt wird, sie darüber aufgrund einer eingetretenen Baisse aber nicht verfügen können. Darüber hinaus muss aber auch sichergestellt sein, dass man jederzeit den Überblick behält. Dabei ist zu bedenken, dass die Fähigkeit eines komplizierten finanziellen Managements im hohen Alter eher abnimmt, so dass risikoarme, dafür aber zuverlässige Anlageprodukte an Bedeutung gewinnen.
Da sich im Lauf des aktiven Berufslebens in der Regel eine Vielzahl unterschiedlicher Anlageprodukte angesammelt hat, ist es unter Transparenzgesichtspunkten sinnvoll, insbesondere kleinere Investitionen aufzulösen und die Anlagen zusammenzufassen. Dies gilt etwa für Sparkonten, aber auch unrentable Wertpapierpositionen. Vor einem Verkauf sollten Investoren jedoch bei endfälligen Anlagen stets den planmäßigen Ablauftermin überprüfen: Liegt dieser in absehbarer Zukunft, ist aus Kostengründen eine vorzeitige Auflösung meist nicht vorteilhaft. In verstärktem Maß gilt dies für Lebensversicherungsverträge, bei denen der Schlussbonus vielfach einen beträchtlichen Teil des Gesamtertrags ausmacht.
Ebenfalls in Betracht zu ziehen ist der Verkauf vermieteter Immobilien. Vielfach bringen sie gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation nur eine geringe Rendite, der hohe Kosten und – vor allem – mancher Ärger hinsichtlich der Vermietung gegenüberstehen. Vielfach wird es daher sinnvoll sein, das Objekt zu veräußern und das Geld am Kapitalmarkt anzulegen.
Bei der Auswahl der optimalen Geldanlageprodukte sollten sich künftige Ruheständler keinesfalls von den Interessen provisionshungriger Mitarbeiter der Finanzdienstleister bedrängen lassen. Denn hier werden in erster Linie Fonds angeboten, die dem Berater eine hohe Provision bringen, die aber vom Kunden mit einem Renditeverzicht bezahlt werden muss. Sinnvoller ist hingegen die Direktanlage in festverzinslichen Wertpapieren erstklassiger Emittenten mit unterschiedlichen Restlaufzeiten, die nicht nur den Kapitalerhalt sicherstellen, sondern auch eine regelmäßige Kapitalentnahme ermöglichen. Auch steuerliche Vorteile lassen sich vielfach herausarbeiten. Kombiniert werden kann dies mit einer sofort beginnenden privaten Rentenversicherung, bei der die Vereinbarung einer Rentengarantiezeit beziehungsweise des Kapitalerhalts sicherstellt, dass das Vermögen im Fall eines frühzeitigen Todes nicht verloren ist. Generell Vorsicht ist hingegen bei allen riskanteren Formen der Geldanlage geboten. Aktien mögen zwar für manchen erfahrenen Investoren gerade nach dem Eintritt in den Ruhestand ein spannendes Betätigungsfeld darstellen, allerdings müssen auch die Risiken beachtet werden.
Versicherungen hinterfragen
Neben der Sicherheit der Geldanlage sollte man aber auch weitere Aspekte der Vorsorge beachten. Dies beginnt damit, rechtzeitig zum Ruhestandsbeginn nicht mehr benötigte Versicherungen zu kündigen, etwa die Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Berufshaftpflichtversicherung. Auch unnötige Kleinversicherungen, etwa die Glasbruchversicherung oder die Insassen-Unfallversicherung, sind im Regelfall verzichtbar.
Weiterhin sollte man an die Vermögensübertragung denken. Rund 77 Prozent der Bundesbürger haben kein Testament gemacht, 20 Prozent der Testamente sind mehr oder minder mangelhaft. Zudem handelt es sich bei 80 Prozent der Testamente um „Berliner Testamente“, die unter steuerlichen Gesichtspunkten ungünstig sein können. Jeder Vermögende sollte daher frühzeitig die Übertragung seines Vermögens mit einem erfahrenen Experten besprechen. Peter Jobst
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