ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996Alternatives Vergütungsmodell: Urologen werben für ein neues Honorarsystem

POLITIK: Aktuell

Alternatives Vergütungsmodell: Urologen werben für ein neues Honorarsystem

Dtsch Arztebl 1996; 93(48): A-3160 / B-2678 / C-2486

Maus, Josef

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LNSLNS Während die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Spitzenverbände der Krankenkassen mit Hochdruck an der Einführung der Praxisbudgets arbeiten, wirbt der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) für ein alternatives Vergütungsmodell: den sogenannten "Uro-EBM". Die Fachgruppe setzt dabei auf Symptom- und Indikationskomplexe und sieht durchaus Chancen für einen Probelauf in einigen Kassenärztlichen Vereinigungen.


An der jüngsten Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes für ärztliche Leistungen (EBM) läßt der Berufsverband der Deutschen Urologen kein gutes Haar. Weder die angestrebte gerechtere Verteilung der Honorare noch die Stabilisierung des Punktwertes seien erreicht worden, kritisiert Dr. med. Klaus M. Schalkhäuser, der Präsident des BDU, Dorfen/Oberbayern, die bisherigen Bemühungen der gemeinsamen Selbstverwaltung. Die vielen Nachbesserungen am EBM hätten gleichfalls keinen durchschlagenden Erfolg gebracht.


"Maximale Wertschöpfung"
Auch in der Einführung von arztgruppenbezogenen, fallzahlabhängigen Praxisbudgets sehen die Urologen keinen wirklichen Fortschritt. Schalkhäuser: "Die Datenerhebung durch die KBV läßt schon jetzt Ungereimtheiten erkennen, und damit wird auch das Problem der Honorarverteilung nicht gelöst werden können." Die Ermittlung der Praxiskosten fuße auf einer unsicheren Datenlage, deren Repräsentationsgrad überdies äußerst fragwürdig sei. Der Berufsverband kritisiert zudem, daß beim Modell Praxisbudget die Ärzte im Hinblick auf die Praxiskosten mit Hilfe eines "Republikdurchschnitts" über einen Kamm geschoren werden.
"Bei einem vorgegebenen Budget", so Schalkhäuser weiter, "werden die Ärzte mit möglichst geringem Aufwand maximale Wertschöpfung betreiben – und das hätte einen dramatischen Verfall der Leistungsqualität zur Folge."
Die Urologen propagieren statt dessen eine andere Form der Honorierung. Sie selbst sprechen vom "Uro-EBM" und meinen damit die Bildung von Symptom- und Indikationskomplexen. Dr. Schalkhäuser: "Wir folgen der Leitlinie: vom Symptom zur Diagnose, von der Diagnose zur Indikation." Danach würden die Symptomkomplexe obligate und fakultative Leistungen enthalten, die Indikationskomplexe Verlaufsbeobachtung, postoperative Kontrollen, Tumornachsorge und ambulantes Operieren.
Um den "Uro-EBM" aufstellen zu können, hat der Berufsverband Symptomklassifikationen zusammengestellt. Mit sechs Symptomen, so der BDU, können rund 80 Prozent der gesamten Symptomatologie in der Urologie abgedeckt werden. "Hinter diesen sechs Symptomen verbergen sich maximal bis zu einer Handvoll Diagnosen, die für den jeweiligen Symptomkomplex wiederum zu 80 Prozent das Symptom abdecken", erläutert Dr. Schalkhäuser das Konzept.
Voraussetzung für die Anwendung des "Uro-EBM" ist freilich die Aufteilung des Gesamthonorars in Facharzttöpfe. Das mache allein schon deshalb Sinn, weil eine einzelne Tätigkeit für jede Fachgruppe eine andere Wertigkeit habe. Auf diese Weise würden dann auch die richtigen Anreize gesetzt. Bezogen auf die Urologen heißt das beispielsweise: Die für einen Symptomkomplex obligate Diagnostik muß voll erbracht werden. Übersteigt die Summe der Einzelleistungen das Budget, gehen die überzähligen Leistungen verloren. Schöpft der Urologe sein Budget nicht aus, bleibt der Differenzbetrag im "Topf" der Fachgruppe und stärkt damit den Punktwert.
Unterstützung erhält der Berufsverband übrigens von einem ehemaligen hochrangigen Kassenfunktionär: Willi Heitzer, langjähriger Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes und einer der Väter des 87er EBM, kann dem "Uro-EBM" einiges abgewinnen: "Was der BDU hier vorlegt, kommt meinen Vorstellungen am nächsten." Heitzer ist so angetan, daß er dem Urologen-Verband bei der Weiterentwicklung seines Modells als Berater zur Seite stehen will.


Unterstützung von anderen Arztgruppen
Auf positive Resonanz verschiedener anderer Arztgruppen weist Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm hin. Der BDU-Vizepräsident nennt in diesem Zusammenhang die Berufsverbände der Pneumologen, HNO-Ärzte, Orthopäden, Neurologen, Neurochirurgen, niedergelassenen Chirurgen sowie den bayerischen Landesverband der Gynäkologen. Für Richter-Reichhelm liegen die Vorteile des "Uro-EBM" in den systematisierten Diagnoseverfahren, den Qualitätsstandards und dem konkreten Diagnosebezug. Auch könnten damit der sogenannte "Hamsterrad-Effekt" beendet und die Kalkulierbarkeit der Praxisumsätze erreicht werden.
Nach dem Zeitplan des Urologenverbandes soll das alternative Vergütungsmodell bis zum Ende dieses Jahres fertiggestellt sein. Im ersten Quartal 1997 könnte dann ein Probelauf stattfinden. Dr. Schalkhäuser ist zuversichtlich, einige Kassenärztliche Vereinigungen für einen derartigen Test gewinnen zu können. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, räumte der BDU-Präsident hingegen ein, stehe dem Modell skeptisch gegenüber. Josef Maus

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