ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2004Reproduktionsmedizin: Erste Gravidität nach Kryokonservierung

AKTUELL: Akut

Reproduktionsmedizin: Erste Gravidität nach Kryokonservierung

Dtsch Arztebl 2004; 101(21): A-1453 / B-1213 / C-1165

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Weltweit erstmals ist in Brüssel nach laparoskopischer (orthotoper) Transplantation kryokonservierten Ovargewebes eine spontane Schwangerschaft eingetreten. Die junge Patientin, die fünf Jahre zuvor wegen eines Morbus Hodgkin Stadium IV a/b mit aggressiver Chemo- und Strahlentherapie behandelt worden war, ist inzwischen in der 22. Woche einer unkomplizierten und fortlaufenden Schwangerschaft. Damit sei erstmals in der Humanmedizin der Beweis erbracht, dass die Entnahme von Ovarialgewebe als „Fertilitätsversicherung“ vor einer aggressiven Krebsbehandlung tatsächlich die Fruchtbarkeit erhalten kann, sagte Prof. Jacques Donnez bei einer Veranstaltung im französischen Beaune.
Anders als ein Team aus New York haben sich die Belgier nicht für eine heterotope Transplantation entschieden, sondern aufgrund der besseren Neovaskularisierung die orthotope Lage gewählt. Es dauerte etwa vier Monate, bis sich die beginnende Funktion des Transplantates anhand der Hormonspiegel (LH- und FSH-Konzentrationen begannen zu sinken) ausmachen ließ; nach rund acht Monaten wurden normale Konzentrationen gemessen. Etwa einen Monat später trat eine spontane Konzeption ein. Donnez sprach sich nach diesem Erfolg dafür aus, allen jungen Krebspatientinnen diese Möglichkeit anzubieten. Die Ovarproben müssten unbedingt vor dem ersten Zyklus der Chemotherapie entnommen werden, anderenfalls bestehen kaum Erfolgsaussichten. Um dies zu bewerkstelligen, schlägt er „Notfallteams“ vor, die von den Onkologen angefordert werden können. Allein in seiner Abteilung hat Donnez über 150 Biopsien eingefroren. Ein erhöhtes Risiko für eine Re-Induktion des Malignoms besteht nach seinen Worten bei Morbus Hodgkin nicht, bei Leukämien dagegen sehr wohl. Deshalb müssten für die verschiedenen Krebsarten auch unterschiedliche Methoden entwickelt werden, um das Follikelwachstum in den Ovarproben zu re-induzieren – sei es über den Weg der In-vitro-Reifung oder über eine Xenotransplantation.

Das belgische Team hat mit der „Weltpremiere“ aber nicht nur den Beweis geliefert, dass die Kryokonservierung von Ovargewebe einen späteren Kinderwunsch möglich macht. Mit diesem Fall ist erstmals auch eine Antwort möglich auf die Frage, wie lange die früheste Periode der Follikulogenese in vivo tatsächlich dauert: etwa vier Monate. Bis zur laborchemisch „sichtbaren“ Ovulation vergingen in diesem Fall neun Monate. Wie lange das Transplantat tatsächlich funktionieren wird, weiß Donnez nicht. Dr. rer. nat. Renate Leinmüller
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