ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2004Dialog: Spesenvernichtung zulasten der Ärztekammern
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LNSLNS Der geschickt gewählte Ausdruck „alternativ“ suggerierte bisher, es gäbe eine Medizin, die anders, also alternativ, vielleicht schonender oder
sogar billiger, ähnliche Heilerfolge wie die stets inkriminierte so genannte Schulmedizin aufzuweisen hätte. Der neue Wein in alten Schläuchen heißt nun „Komplementärmedizin“. Komplementär bedeutet so viel wie ergänzend, und der Ruf nach vertieftem Verständnis zwischen Schulmedizin und Komplementärmedizin sowie ein Dialogforum Pluralismus klingen wie hohe Appelle an ethische Grundfesten ärztlichen Handelns. Wieder einmal wird verschwiegen, dass alternative oder komplementäre Medizin bisher nichts, leider gar nichts zur Diagnostik, Therapie oder Prävention von Krankheiten beigetragen haben. Nicht eine einzige davon, sei es eine Infektionskrankheit, eine Hormonstörung oder eine Neoplasie, profitiert nachweisbar von so genannter alternativer oder Komplementärmedizin. Dieser kommt lediglich zugute, dass in den letzten Jahrzehnten bei allen sonstigen Fortschritten die Schulmedizin der Anamnese- und klinischen Befunderhebung sowie der menschlichen Zuwendung nicht die unverändert notwendige Priorität eingeräumt hat, was aus berufenem Mund zu Recht immer wieder kritisiert wurde und wird.
Dies muss sich ändern, aber nicht so, dass z. T. sinistre diagnostische oder therapeutische Methoden zu einer so genannten Komplementärmedizin gebündelt werden, für die dann Verständnis und Zusammenarbeit eingefordert wird. Es gilt nichts anderes als die Einheit der wissenschaftlich begründeten Medizin zu verteidigen, der Schulmedizin, aus der seit nunmehr Jahrhunderten allein alle Fortschritte kommen, die uns besser und länger leben lassen. Ich bin von so wolkigen Aussagen wie „anthropologische Bilder, die sich teilweise aus tradierten Kulturen ableiten . . . oder auf der Grundlage einer Goetheanischen Erkenntnistheorie bestimmt und dem . . . ärztlichen Handeln zugrunde gelegt werden“ wenig beeindruckt und fürs erste beruhigt, dass der Artikel von einem Dr. rer. pol. und nicht einem Dr. med. verfasst wurde. Die geplanten Foren sind Spesenvernichtung zulasten unserer Zwangsbeiträge an die Ärztekammern.
Dr. R. Waubke, Prinz-Karl-Straße 48, 82319 Starnberg
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