ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996Ambulante Versorgung: KV München jetzt mit eigener Notfallpraxis

POLITIK: Aktuell

Ambulante Versorgung: KV München jetzt mit eigener Notfallpraxis

Schmidt, Klaus

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LNSLNS Am 7. November hat in der bayerischen Landeshauptstadt die erste Notfallpraxis der Bezirksstelle München der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ihren Dienst aufgenommen. Die ursprüngliche Idee, eine solche Einrichtung der Vertragsärzte innerhalb eines der Städtischen Krankenhäuser zu installieren, war an deren mangelnder Bereitschaft gescheitert. Nun befindet sich die Notfallpraxis im "Elisenhof", einem zentral gelegenen Gebäude schräg gegenüber dem Münchner Hauptbahnhof, mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Auf mehr als 500 qm Fläche ist im vierten Stock eines Büro- und Geschäftskomplexes eine modern eingerichtete, nach dem jeweiligen Facharztstandard ausgestattete Praxis entstanden. Die Praxis umfaßt einen allgemeinen Warteraum sowie ein Kinder-Wartezimmer mit Spielecke, diverse Kurzwartezonen bei den Behandlungsräumen, zwei Behandlungsräume für Allgemein- bzw. Praktische Ärzte und Internisten, zwei Behandlungsräume für Kinderärzte, je einen Behandlungsraum für einen Augen-, Frauen- und HNO-Arzt, zwei septische OP-Räume für kleine Chirurgie mit Röntgen und kleinem Labor, einen Ruhe-/Infusionsraum, einen Multifunktionsraum für EKG, Ultraschall, CTG sowie ein separates Behinderten-WC. Der Münchner KV-Vorsitzende, Dr. med. Axel Munte, niedergelassener Internist, wies bei der Eröffnung auf mehr als 135 000 Notfälle pro Jahr hin, die in den Münchner Krankenhaus-Ambulanzen behandelt werden. Selbst der vertragsärztliche Bereitschaftsdienst (Hausbesuchsdienst) in München veranlaßt jährlich rund 8 000 Krankenhaus-Einweisungen, von denen nach Muntes Einschätzung gut 5 000 auch ambulant versorgt werden könnten.
Da noch nicht abzuschätzen ist, wie die Akzeptanz der Notfallpraxis durch die Bevölkerung sein wird, versieht anfangs nur ein Arzt der jeweiligen Fachgruppe den Notfalldienst. In der Startphase erhält ein Arzt im Notfalldienst einen Stundensatz von 56 DM als Grundvergütung. Geöffnet hat die Praxis in den sprechstundenfreien Zeiten am Montag, Dienstag und Donnerstag zwischen 19 und 1 Uhr, am Mittwoch und Freitag zwischen 14 und 1 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags zwischen 7 und 1 Uhr. Hausbesuche werden 24 Stunden rund um die Uhr von Allgemeinärzten, Praktikern, Internisten und Psychiatern gefahren. Munte schätzt, daß im ersten Jahr bis zu 30 000 Patienten in die Notfallpraxis kommen werden, später bis zu 100 000 pro Jahr. Er geht davon aus, daß mit dieser alternativen Form der Notdienstversorgung Krankenhausambulanzen entlastet und Gelder eingespart werden können. Der KV-Vorsitzende möchte die Praxis zur Basis für eine Vielzahl von Arztpraxen und Belegkliniken in einem integrierten Netz machen, das eine kostengünstige Behandlung der Patienten nicht nur im Notfall sichert. Die Krankenkassen haben signalisiert, daß sie zusätzliche Gelder bereitstellen wollen, sobald Einsparungen im Krankenhaus nachweisbar sind. KS
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