ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996MTA in Europa: Unterschiedliches Maß bei Diplomen

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MTA in Europa: Unterschiedliches Maß bei Diplomen

Löffler, Siegfried

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LNSLNS Etwa 60 000 medizinisch-technische Assistenten (MTA) gibt es in Deutschland. Jährlich schließen etwa 4 000 ihre dreijährige Ausbildung ab, entgegen der allgemeinen Tendenz des Arbeitsmarktes mit guten Aussichten auf einen sicheren Arbeitsplatz. Während eines viertägigen Symposiums, das der deutsche Berufsverband dvta in Lindau am Bodensee organisiert hatte, ging es nicht nur um die stärkere gesellschaftliche Anerkennung eines Berufsstandes zwischen Arzthelferinnen, Pflegern, Schwestern und Ärzten, sondern auch um Fortbildung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft.
Der Meinungsaustausch war während des ersten Symposiums zunächst auf die deutschsprachigen Nachbarländer beschränkt. Dvta-Geschäftsführerin Almuth Never war sehr zufrieden, daß über 750 MTA an den Bodensee gekommen waren.
Eine erste Bilanz: Bei der gegenseitigen Anerkennung der Diplome und damit zusammenhängend bei der grenzüberschreitenden Berufsausübung gibt es gelegentlich noch Probleme. In diesem Zusammenhang war es hilfreich, daß nicht nur Spitzenvertreter der Berufsvertretungen aus den drei deutschsprachigen Ländern an den Bodensee gekommen waren, sondern auch kompetente Vertreter des österreichischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums beziehungsweise der schweizerischen Sanitätsdirektorenkonferenz. An ihre Adresse war der Appell der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Ursula Schleicher, gerichtet, nicht durch übertrieben bürokratische Gesetzesauslegung "Ausländer zu diskriminieren".
Die Europolitikerin aus Bayern spielte dabei unter anderem auf das Verhalten des EU-Neumitglieds Österreich an, deutschen MTA mit der alten (zweijährigen) Ausbildung, aber jahrelanger praktischer Erfahrung den vom zuständigen Ministerium und einer Experten-Kommission geforderten viermonatigen Zusatzlehrgang beziehungsweise eine Extraprüfung zuzumuten. Österreichische MTA mit "altem" Examen in Deutschland müssen dagegen hierzulande nicht "nachsitzen". In der Schweiz kann die Beschäftigung deutscher MTA an der bekannten Quote zuweilen scheitern, wenn in Grenznähe schon zu viele Ausländer arbeiten.

"Europaweit gefragt"
Grundsätzlich sind aber die Schweizer, wie die Präsidentin des Schweizerischen Fachverbandes der diplomierten medizinischen Laborantinnen, Marcelle Gmür, deutlich machte, trotz der verfehlten EUMitgliedschaft des Landes sehr an der engen Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden der anderen deutschsprachigen Länder interessiert und gegenüber der Beschäftigung deutscher Kolleginnen sehr aufgeschlossen. Es gab länderübergreifend Übereinstimmung mit der Europaparlaments-Vizepräsidentin, daß "MTA europaweit unheimlich gefragt sind", die wichtigsten Stützen der Ärzte sehr sorgfältig ausgebildet werden müssen und "das, was vorhanden ist, so gut koordiniert werden muß, daß es im Interesse einer optimalen Patientenbetreuung besser paßt".
Die deutschen MTA dürfen, auch darauf wurde in Lindau hingewiesen, ihren Beruf auch als Selbständige ausüben. Dvta-Justitiar Dr. Uwe-Jens Friedrich erläuterte, daß im Partnerschaftsgesetz die Zusammenarbeit von Arzt und MTA ausdrücklich vorgesehen ist. Es ist aber nach wie vor klar, daß eine freiberuflich arbeitende MTA nur auf ärztliche Veranlassung tätig werden kann und die Abrechnung mit den Krankenkassen gegenwärtig nur über die Ärzte erfolgen kann. Dr. Siegfried Löffler

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