ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2004Nichtinvasive Risikostratifikation bei koronarer Herzerkrankung: Beitrag der Myokardszintigraphie

MEDIZIN: Diskussion

Nichtinvasive Risikostratifikation bei koronarer Herzerkrankung: Beitrag der Myokardszintigraphie

Dtsch Arztebl 2004; 101(23): A-1685 / B-1403 / C-1352

Ivancevic, Velimir

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LNSLNS Die Autoren führen ganz richtig an, dass die linksventrikuläre Ejektionsfraktion sowohl mittels Echokardiographie als auch Myokardszintigraphie (genauer: Myokardperfusionsszintigraphie) nichtinvasiv bestimmt werden kann. Außerdem kann die Ejektionsfraktion auch mithilfe der Herzbinnenraumszintigraphie bestimmt werden. Wichtig erscheint es uns aber zu ergänzen, dass sich der Beitrag der Myokardperfusionsszintigraphie zur nichtinvasiven Risikostratifizierung bei koronarer Herzerkrankung nicht in der Bestimmung der Ejektionsfraktion erschöpft.
Das szintigraphisch dargestellte myokardiale Perfusionsmuster selbst wird zunehmend zur prognostischen Beurteilung des Verlaufs einer bekannten koronaren Herzerkrankung herangezogen. Belastungsinduzierte Perfusionsstörungen bedeuten ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
An großen Patientenzahlen konnte gezeigt werden, dass Patienten mit bekannter oder angenommener koronarer Herzerkrankung und pathologischer Myokardperfusionsszintigraphie ein durchschnittliches Risiko von 7,4 Prozent tragen, im Folgejahr einen Myokardinfarkt oder Herztod zu erleiden. Dabei sind sowohl das Ausmaß als auch die Anzahl der Perfusionsdefekte unabhängige Vorhersageparameter für kardiovaskuläre Komplikationen (1, 6). Noch bedeutender scheint uns zu sein, dass ein unauffälliges Myokardperfusionsszintigramm unter Belastung mit einem sehr niedrigen kardiovaskulären Krankheitsrisiko verbunden ist.
Eine Reihe von Studien belegt übereinstimmend, dass die jährliche Komplikationsrate an Myokardinfarkten oder Herztodesfällen bei diesen Patienten unter einem Prozent liegt (2, 3), und zwar unabhängig vom Verhalten der ST-Strecke im Belastungs-EKG (4, 7). In einer mehr als 12 000 Patienten umfassenden Metaanalyse wurde eine jährliche Komplikationsrate von 0,6 Prozent gefunden (6). Auch Patienten mit nur geringgradig pathologischer Myokardperfusionsszintigraphie haben eine gute Prognose unabhängig davon, ob sie medikamentös oder mit revaskularisierenden Maßnahmen behandelt werden (5). Die Myokardperfusionsszintigraphie ermöglicht daher auf nichtinvasivem Weg die Identifizierung einer Untergruppe von Patienten mit koronarer Herzerkrankung, die ein sehr geringes klinisches Erkrankungsrisiko besitzt.

Literatur bei den Verfassern

Priv.-Doz. Dr. (Universität Zagreb)
Velimir Ivancevi´c
Universität Zagreb
Priv.-Doz. Dr. med. Reiner Jahns
Nuklearmedizinische Gemeinschaftspraxis im
Allgemeinen Krankenhaus
Siemensplatz 4, 29223 Celle

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