ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996Beurteilung der klinisch-ethischen Konsultationen von Betroffenen

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Beurteilung der klinisch-ethischen Konsultationen von Betroffenen

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LNSLNS In einigen US-amerikanischen Kliniken gibt es einen klinisch-ethischen Beratungsdienst – er befindet sich allerdings noch weitgehend im Erprobungsstadium. Im Klinikum der kalifornischen Loma-Linda-Universität haben die Autoren versucht festzustellen, wie solche Beratungen von den daran beteiligten Patienten beziehungsweise den beteiligten Angehörigen von Patienten beurteilt werden.
In dem 650-Betten-Schwerpunktkrankenhaus und der 120-Betten-Tagesklinik finden durchschnittlich 84 klinisch-ethische Beratungen im Jahr statt. In 56 Fällen aus dem Jahr 1994 wurde den Angehörigen einen Monat nach Beendigung der Behandlung ein Fragebogen zugeschickt und ein Telefongespräch mit fünf offenen Fragen geführt.
Die Frage, ob die ethische Beratung hilfreich gewesen sei, wurde von mehr als der Hälfte der Beteiligten bejaht. So äußerten sich 23 Personen, daß die Beratung sehr hilfreich war, und 9 Befragte schätzten die Beratung als hilfreich ein. 21 Befragte meinten: weder hilfreich noch schädlich; nur zweimal hieß die Antwort "sehr schädlich" (very detrimental). Positiv empfanden die Befragten die Beratung insbesondere dann, wenn sie zu einer Änderung in der Behandlung des Patienten geführt hatte.
Die geringe Fallzahl und die Subjektivität der Antworten machen eine Beurteilung dieser Ergebnisse natürlich schwer. In einem der beiden Fälle, in denen die Antwort "sehr schädlich" gelautet hatte, sagte die Schwester des Patienten im offenen Interview, sie hätte von der ethischen Konsultation mit ihrem Bruder nichts gewußt, sie sei froh darüber, daß eine sorgfältige Prüfung des Falles stattgefunden habe, aber ergänzte dann ohne Kommentar, die Beratung sei für die Familie schädlich gewesen. In einem anderen Fall wurde der Sohn einer Patientin befragt, der eine positive Antwort gab – die Autoren wissen jedoch, daß seine Schwester der gegenteiligen Meinung war (es ging um die Weiterbehandlung bei einer infausten Prognose). Die Kürze des Literaturverzeichnisses der Arbeit (18 Stellen) zeigt, daß man auf diesem Gebiet erst am Anfang ist: In Loma Linda besteht der ethische Beratungsdienst erst seit 1990. Bt


Orr RD, Morton KR, deLeon DM, Fals JC: Evaluation of an ethics consultation service: patient and family perspective. Am Journ Med 101 (1996) 135–141
Robert D. Orr MD, Director of Clinical Ethics, Loma Linda University Medical Center, 11340 Mountain View - Suite 10, Loma Linda, CA 92354, USA

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