ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2004„Opas Unsterbliche“

VARIA: Post scriptum

„Opas Unsterbliche“

Pfleger, Helmut

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Was haben der indische Ausnahmekönner Viswanathan Anand, der tschechisch-deutsche Großmeister Vlastimil Hort und der Hamburger Arzt Dr. med. Christian Bordasch gemeinsam? Alle drei fahren gerne mit ihren Ehefrauen zum Schachturnier. Wobei Vlastimil vom Saulus zum Paulus wurde. Als er einmal vor einem Turnier gefragt wurde, welchen Platz er sich erhoffe, sagte er: „Den zweiten!“ Verblüffte Rückfrage: „Und warum nicht den ersten?“ Vlastimil: „Ach, wissen Sie, meine Frau ist dabei, und das kostet mich immer einen Platz.“ In einem allerdings ist Dr. Bordasch seinen obigen Kollegen voraus, bei ihm kommen zum Ärzteturnier auch gerne die beiden Töchter samt Enkelschar mit, um ihm beim Schnellschach eine beeindruckende familiäre Unterstützung angedeihen zu lassen. Das Deutsche Ärzteblatt bemüht sich dankenswerterweise immer um Orte, die in etwa auf der Achse Zürich–Hamburg liegen. Wie auch immer, der Zürichsche Enkel Enrico bekam beim letzten Deutschen Ärzteturnier in Bad Neuenahr wegen einer „dringenden Familienangelegenheit“ schulfrei und konnte so manch sach- bzw. schachkundigen Blick auf Opas Brett werfen. Und um ein Haar wäre er sogar Zeuge von „Opas Unsterblicher“ geworden. Hier hatte Dr. Bordasch als Schwarzer schon eine unentrinnbare Mattschlinge um den weißen König gezogen, gegen Tg2 matt ist kein Kraut gewachsen. Doch Dr. med. Matthias Althaus als Weißer hatte gerade Schach geboten und nach 1... Kh7 2. Lg8+ Kh8 3. Lf7+ einigte man sich auf remis – gegen das ewige Schach mit obiger Schaukel schien nichts zu erfinden zu sein. Oder doch? Hätte etwa Dr. Bordasch gewinnen und mit Anand gleichziehen können, der als frischgebackener Weltmeister zum „Sportler des Jahres“ in Indien gekürt und vom Staatspräsidenten empfangen wurde, von diesem ein Haus geschenkt bekam und mit einer Krone auf dem Haupt mit seiner Frau
in einer herrlichen Kutsche durch seine Heimatstadt Madras gefahren wurde, wobei wegen der Begeisterung der Bevölkerung der Verkehr des öfteren zusammenbrach? Vielleicht nicht ganz so, aber eine Fahrt mit der Kutsche durch Hamburg wäre ja auch nicht übel! Doch davor muss erst ein Gewinn für Schwarz gefunden werden. Wie?

Lösung:
Dr. Bordasch hätte mit 1. ... Lf8! seinen Läufer dazwischenstellen und scheinbar sinnlos opfern sollen. Nach 2. Txf8+ (was sonst?) Kg7 ist Weiß angesichts des unabwendbaren Matt durch Tg2 mit seinem Latein am Ende. Andererseits war nach 1. ... Kh7 2. Lg8+ Kh8 mit 3. Le6+! wirklich das Remis zu erzielen, weil nun 3. ... Lf8?! an 4. Txf8+ Kg7 5. Tf7+ Kg8? (besser 5. ... Kh8 mit remis) 6. Tb7+ Kf8 7. Tb2! scheitern würde (7. ... Te1 8. Ld2! Te2 9. Lxg5! mit Gewinn).
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