ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2004Bürokratie: Die Kunst, das Mögliche unmöglich zu machen

VARIA: Post scriptum

Bürokratie: Die Kunst, das Mögliche unmöglich zu machen

Dtsch Arztebl 2004; 101(26): [64]

Ellermann, Bernd

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto:BilderBox
Foto:BilderBox
Eine Krankengymnastin will in Freiburg ihre gut gehende Praxis für
20 000 Euro einer Nachfolgerin übergeben. Doch die AOK verweigert die Zulassung – die Praxisräume seien nur 2,40 Meter hoch. Eine interne Vorschrift schreibe 2,50 Meter vor. Bürokratische Regelungen wie diese sind nicht nur im Gesundheitswesen an der Tagesordnung. „Treffen Einfalt und Gründlichkeit aufeinander, entsteht Verwaltung“, hat schon Oliver Hasencamp gespottet. Getreu dem Gesetz von Parkinson, dass Arbeit genau in dem Maße ausgedehnt wird, wie Zeit zu ihrer Erledigung zur Verfügung steht.
So kann es passieren, dass etwa Gewerbebetriebe für die Müllabfuhr zahlen müssen, selbst wenn sie ihre gesamten Abfälle wiederverwerten. Noch absurder: Um ihre Bürger vor BSE zu schützen, hat das Landwirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern ein „Rinderkennzeichnungs- und Rinderetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ ins Leben gerufen. Dieser Bandwurmtitel war den Meck-Pomm-Bürokraten doch zu schwerfällig, und sie entschieden sich für die elegante Kurzform „RkReÜAÜG“! Getoppt wird das nur durch die amtliche Behördenverlautbarung: „Empfängerinnen von Altersrenten haben keinen Anspruch auf Schwangerschafts-Beihilfen“ oder die lapidare Verlautbarung „Die einmalige Zahlung wird für jeden Berechtigten nur einmal gewährt“.
Dreimal lesen muss man bei dieser Feststellung: „Die Aufwendungen in Geburtsfällen einer beihilfeberechtigten oder einer nicht selbst beihilfeberechtigten Ehefrau eines Beihilfeberechtigten sind nicht beihilfefähig“. Ganz aus dem Häuschen war auch sicher jener PKV-Kunde, der von seiner Kran­ken­ver­siche­rung die Nachricht erhielt: „Wir können Ihnen heute eine erfreuliche Mitteilung machen: Ihr Monatsbeitrag wurde von 463,56 Euro auf 463,55 Euro gesenkt.“
Auf der Politikerebene mühen sich seit Jahren Parlamente und Parteien mit Bürokratieabbau ab. Nur: Für jedes Gesetz, das eine Regierung abschaffen will, muss ein neues Gesetz beschlossen werden. Parkinson hat also doch Recht ... Bernd Ellermann
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige