ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2004Drogen und Hepatitis C: Neue Konzepte der Prävention gesucht

AKTUELL: Akut

Drogen und Hepatitis C: Neue Konzepte der Prävention gesucht

Dtsch Arztebl 2004; 101(27): A-1929 / B-1617 / C-1553

Seger, Gabriele

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LNSLNS Eine weitere Ausbreitung des Hepatitis-C-Virus (HCV) unter Drogenkonsumenten kann nur mit gezielter Prävention verhindert werden. „Man ging lange Zeit davon aus, dass bei einer erfolgreichen Aidsprävention automatisch auch Hepatitisinfektionen vermieden werden könnten. Die heutigen Prävalenzraten zeigen jedoch, dass diese Huckepack-Strategie eine Fehleinschätzung war“, erklärte Dr. med. Heino Stöver (akzept e.V.) bei einer Fachtagung in Berlin. Circa 500 000 Menschen sind in Deutschland mit HCV infiziert; die jährliche Neuinfektionsrate liegt bei 5 000 bis 6 000, bei HIV bei rund 2 000. Risikopersonen für eine HCV-Infektion sind intravenös injizierende Drogenkonsumenten, von denen 60 bis 90 Prozent Träger von HCV sind. Diese Zahl übertrifft nach Angaben von Dirk Schäffer (Deutsche Aids-Hilfe e.V.) signifikant den Anteil HIV-infizierter Drogenabhängiger, der derzeit mit etwa zehn Prozent angegeben wird, und zeigt, dass die Prävention von HCV bislang unzureichend ist.

Ursachen für die weite Verbreitung von Hepatitis C sieht Stöver unter anderem in der deutlich höheren Infektiösität und in der größeren Überlebensfähigkeit von HCV im Vergleich zu HIV. Während das HI-Virus innerhalb weniger Minuten an der Luft abstirbt, kann das HC-Virus auch in angetrocknetem Blut wochenlang überleben. Diese Unterschiede sind nach Ansicht von Stöver in der Prävention bisher nicht genügend berücksichtigt worden. Problematisch sei zudem die lange symptomfreie Zeit der Infektion, in welcher HCV-Träger – ohne es zu wissen – hochinfektiös sind. Dies müsste bei der Konzeption neuer Präventionsstrategien berücksichtigt werden. Stöver empfiehlt, Drogenabhängige für den Umgang mit Blut und Risikosituationen im Alltag neu zu sensibilisieren.

Außerdem sei es im Sinn der Sekundärprävention erforderlich, stabile Drogenabhängige – wie Patienten in der Substitutionsbehandlung oder ehemalige Drogenkonsumenten – einer antiviralen Therapie zuzuführen. Dadurch könnte die Zahl der Virusüberträger in der Drogenszene reduziert werden. Allerdings müsse der Patient auf die Möglichkeit einer Reinfektion mit HCV hingewiesen werden, die jederzeit möglich ist. Für die Umsetzung neuer präventiver Maßnahmen empfiehlt Stöver, bereits vorhandene Strukturen, beispielsweise der Drogen- und Aidshilfe, zu nutzen und involvierte Institutionen in einem Netzwerk zusammenzuführen. Gabriele Seger
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