ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1996Börsebius über Steuersparmodelle (II): Alle Jahre wieder

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Steuersparmodelle (II): Alle Jahre wieder

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Im bunten Reigen der Angebote, die den Anleger kurz vor Jahresschluß zu einem Abschluß locken, sind die geschlossenen Immobilienfonds recht zahlreich vertreten. Nun wird aber selbst in der Branche unter vorgehaltener Hand zugegeben, daß der Prozentsatz unseriöser Angebote recht hoch ist, aber natürlich sei die eigene Offerte über allen Zweifel erhaben . . .
Ob nun 70 oder 90 Prozent aller im Markt angebotenen Objekte Schrott sind, mag dahingestellt bleiben, sicher ist, daß Perlen zu den ganz großen Ausnahmen zählen. Und bloß unter dem Aspekt Steuersparen vorzugehen, geht sicher ins Auge.
Viele Investoren merken überhaupt nicht, daß sie sich ihre eigenen Steuervorteile selbst subventionieren. Beispiel: Ein Anteil an einer Immobilie kostet 100 000 DM plus 5 Prozent Agio. Die erkleckliche Verlustzuweisung wird vom Finanzamt auch problemlos akzeptiert. Während der reale Quadratmeterpreis aber bei 2 500 Mark liegt, hat der Anleger stolze 5 000 Mark zu berappen. Von den 5 000 Mark erhält der Anleger vom Fiskus über die Jahre sicher einen Großteil wieder herein, aber bei weitem nicht genug, um den realen Quadratmeterpreis abzuschreiben.
Zwei ganz große Probleme ziehen geschlossene Immobilienfonds wie einen Kometenschweif hinter sich her. Das eine ist das massive Überangebot speziell an Gewerbeimmobilien. Gerade in Ostdeutschland und Berlin, zunehmend aber auch im Rest der Republik gibt es leerstehende Büropaläste und Ladenlokale en masse. Die Gefahr, daß "Investitionsruinen" über bunte Prospekte zum Jahresschluß verramscht werden könnten, ist also recht hoch.
Ein ebenso markanter Minuspunkt ist das Fehlen eines Zweitmarktes. Ich höre immer wieder von Beschwichtigungen der Anlagevermittler, das sei alles gar kein Problem, den Fondsanteil könne man Jahre später loswerden. Davon kann überhaupt keine Rede sein. Wenn überhaupt, läßt sich ein Anteil an einem geschlossenen Immobilienfonds nur unter Inkaufnahme herber Verluste wieder abstoßen. Von den bis dahin vergeudeten Nerven gar nicht zu reden. Börsebius
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