ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2004Trauerforschung: Normale oder pathologische Trauer

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Trauerforschung: Normale oder pathologische Trauer

PP 3, Ausgabe Juli 2004, Seite 317

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LNSLNS Trauern gehört zum Leben. Jeder Mensch durchlebt mehrmals Trauer, wenn er von anderen Abschied nehmen muss. Trauer ist ein Prozess, der sehr individuell verläuft. Er kann jedoch auch krankhafte Formen annehmen, die bis zu schweren Depressionen oder Selbstmord führen können. In diesem Fall ist psychotherapeutische Unterstützung gefragt. Es ist für Psychotherapeuten und Ärzte jedoch gar nicht so einfach, zwischen normaler und pathologischer Trauer klar zu trennen. Zu diesem Schluss kommen Forscher von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster. Sie analysierten 47 Messinstrumente, mit denen Trauer erfasst wird. Davon erlaubten es nur zwei, normale und pathologische Trauerverläufe zu identifizieren. „Die meisten Messinstrumente wurden entwickelt, um normale, angemessene Trauerreaktionen hinsichtlich ihrer Intensität quantifizieren zu können“, berichten die Forscher. Die Mehrzahl der Instrumente wurde vor dem Hintergrund klinischer Erfahrungen oder in der Literatur beschriebener Trauerphänomene entwickelt, nur wenige wurden psychometrisch konstruiert. Mit den vorhandenen Instrumenten kann eine Fülle von Trauermerkmalen erfasst werden. Bisher ist es jedoch noch nicht gelungen, eine spezifische Kernsymptomatik zu identifizieren, die von anderen Konstrukten zu differenzieren ist. Die Autoren stellen fest, dass die Erhebung von Trauer im deutschsprachigen Raum bisher nur auf geringes wissenschaftliches Interesse stieß. Sie sehen einen erheblichen Forschungsbedarf hinsichtlich der Erfassung normaler und pathologischer Trauerphänomene. ms

Kersting A, Fisch S, Suslow T, Ohrmann P, Arolt V: Messinstrumente zur Erfassung von Trauer – Ein kritischer Überblick. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 2003; 53: 475–484.

Priv.-Doz. Dr. med. Anette Kersting, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Straße 11, 48129 Münster,
E-Mail: a.kersting@uni-muenster.de
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