ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2004Ärztemangel in Ostdeutschland: Ruheständler sollen ran

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Ärztemangel in Ostdeutschland: Ruheständler sollen ran

Rabbata, Samir

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LNSLNS Die gute Nachricht zuerst: In den Regierungsfraktionen verschließt man nicht länger die Augen vor dem in Teilen Ostdeutschlands akut gewordenen Ärztemangel (DÄ, Heft 11/2004). „Zahlreiche Hausärzte, aber auch Fachärzte finden keinen Nachfolger“, konstatieren die Regierungsfraktionen in einem gemeinsamen Antrag, der nach der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden soll. Die schlechte Nachricht allerdings ist: Die angestrebten Lösungsvorschläge sind kaum geeignet, die strukturellen Probleme langfristig zu lösen. Ärzten im Ruhestand soll ermöglicht werden, als teilzeitbeschäftigte Angestellte in Praxen weiter zu arbeiten. Der Antrag sieht vor, in unterversorgten Gebieten die damit bislang verbundene Leistungsausweitung um maximal drei Prozent zu kippen und bei der Bedarfsplanung den Morbiditätsgrad der Bevölkerung mit zu berücksichtigen. Zudem sollen Einzelverträge mit den Krankenkassen möglich sein.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung begrüßt prinzipiell, dass sich die Politik für die Sicherstellung einer flächendeckenden wohnortnahen Versorgung stark macht. Ein Sprecher schränkte jedoch ein: Bei Unterversorgung Einzelverträge zuzulassen sei „sicher nicht der Schlüssel, die Probleme zu lösen“.
Ebenso wenig zukunftstauglich dürfte naturgemäß die Reaktivierung von Ruheständlern sein. Man kommt nicht umhin, insbesondere junge Ärzte für eine Tätigkeit in unterversorgten ländlichen Gebieten zu motivieren. Kassenärztliche Vereinigungen bieten hierfür schon heute verschiedene finanzielle Anreize. Dieser Weg muss weitergegangen werden. Gelingen kann dies aber nur im engen Schulterschluss mit der Politik und den Krankenkassen. Samir Rabbata
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