ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1996Impfen: Sehr wohl verhältnismäßig

SPEKTRUM: Leserbriefe

Impfen: Sehr wohl verhältnismäßig

Caspari, Gregor; Gerlich, H.

Zum Leserbrief "Riskantes Ziel" von Dr. Christoph Joachim in Heft 43/1996:
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LNSLNS Chr. Joachim zweifelt in seinem Leserbrief die Verhältnismäßigkeit von Massenimpfungen an. Gewiß stellen die "großen Seuchen" zur Zeit (!) keine Bedrohung dar. Kollege Joachim übersieht aber geflissentlich, daß auch die "kleinen Seuchen" ihren Tribut fordern: Die Bronchopneumonie, Otitis media, Enzephalitis und als Spätschaden die subakute sklerosierende Panenzephalitis bei Masern, seröse Meningitis, Meningoenzephalitis, postpubertäre Orchitis und Oophoritis bei Mumps. Alle diese Komplikationen sind wegen der Massenimpfungen so selten, daß ihnen der einzelne, praktisch tätige Arzt allenfalls die Bedeutung eines "Unglücksfalles" beimißt, in der Summe dann aber doch wieder sehr häufig: Die Mehrzahl der Fälle von erworbener Schwerhörigkeit im Kindesalter ist durch Mumps verursacht! Die Impfungen sind nicht nur frei von solchen schweren Folgeschäden, sondern sie verhindern diese sehr wirksam. Bei konsequenter Impfung wäre sogar eine vollständige Ausrottung bestimmter Infektionskrankheiten in bestimmten Gebieten denkbar. Dies ist weder naiv noch riskant, sondern einer der großen Erfolge der modernen Medizin.
Dr. Gregor Caspari und Prof. Dr. Wolfram H. Gerlich, Institut für Medizinische Virologie, Frankfurter Straße 107, 35392 Gießen
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