ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2004Griechenland: Athen endlich olympiareif

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Griechenland: Athen endlich olympiareif

Dtsch Arztebl 2004; 101(30): A-2129 / B-1781 / C-1713

Berg, Detlef

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Attraktiv war Athen für Touristen nie. Der Stadt fehlen die schönen Parks von Madrid, die Kanäle Venedigs oder die großen Boulevards von Paris. Und mit den Altertümern Athens konnten sich außer Altertumsforschern und Hobbyarchäologen nur wenige Besucher anfreunden. Die meisten Touristen zollten lediglich der Akropolis mitten in der Altstadt von Athen nahe der Plaka den ihr gebührenden Respekt und reisten auf eine der griechischen Ferieninseln weiter.
Einmalige Chance
Die Wahl zur Olympiastadt 2004 allerdings brachte die Athener in Zugzwang. „Die Olympiade ist für unsere Stadt eine einmalige Chance, sich als erstklassige Touristendestination zu präsentieren“, betonte die Oberbürgermeisterin Dora Bakoyannis. Sie ist davon überzeugt, dass mit der Stadt Athen bereits vor den ersten Wettkämpfen die erste Gewinnerin feststeht, nämlich die griechische Hauptstadt. Zwar werden die Athener auf eine harte Probe gestellt, weil die Stadt seit Jahren eine einzige Baustelle mit den damit verbundenen Einschränkungen ist. Doch wer sich in diesen Tagen mit offenen Augen umschaut, wird schon viel Neues im alten Athen entdecken. Bereits im Frühjahr 2001 wurde Athens neuer Airport eröffnet, heute einer der modernsten der Welt. Auf dem Gelände des alten Flughafens wurden Sportanlagen für die Olympischen Spiele errichtet, darunter die Kanu-Slalom-Strecke, die nach den Wettkämpfen zu einem riesigen Spaßbad umgerüstet wird und dann allen Athenern offen steht. Auch das Metro-Netz wurde um zwei Linien mit 16 Stationen erweitert. Weil das heutige Athen auf dem antiken Athen erbaut wurde, stieß man bei den Bauarbeiten immer wieder auf interessante archäologische Funde, die die Bauarbeiten verzögerten. Besonders wertvolle Stücke wanderten in die Museen, andere Objekte wurden geschickt in die Gestaltung von U-Bahn-Stationen einbezogen. Die neue Station am Syntagma-Platz zum Beispiel, eine faszinierende technische Meisterleistung, ist auch ein kleines Museum. Große Glaswände geben den Blick frei auf alte Gemäuer, Reste einer antiken Straße, und sogar ein altes Grab kann bestaunt werden.
Auch der viereckige Syntagma-Platz selbst wird einer Verschönerungskur unterzogen. Es entstehen Grünanlagen, und auch die beiden repräsentativen Traditionshotels Grande Bretagne und Roi George II. wurden zur Olympiade herausgeputzt. Der Wachwechsel der Evzonen vor dem Parlamentsgebäude an der Nordseite des Platzes vollzieht sich wie eh und je. Die Soldaten einer Ehrenlegion halten in historischen Uniformen aus dem 19. Jahrhundert eine Ehrenwache am Denkmal des Unbekannten Soldaten, das daran erinnert, dass die Nation erst im 20. Jahrhundert ihre heutigen Grenzen erhielt. Zu jeder vollen Stunde klicken unzählige Kameras, um die fotogene Wachablösung festzuhalten. Wer am Sonntagmorgen um elf Uhr kommt, erlebt sogar den Aufmarsch der gesamten Evzonen-Kompanie.
Stadtteil Kolonaki
Vom Syntagma-Platz sind es nur wenige Schritte bis zum vornehmen Stadtteil Kolonaki, in dem sich mehrere Botschaften und das Benaki-Museum mit interessanten Exponaten aus der Kunstgeschichte des Landes befinden. Rund um den gleichnamigen Platz haben sich Athens nobelste Boutiquen angesiedelt, die Kreationen internationaler, aber auch griechischer Couturiers – Kleider, Schuhe, Handtaschen, Designermöbel – anbieten. Auch die weltbekannten griechischen Juweliere und zahlreiche Galerien sind hier vertreten. In den immer gut besuchten Cafés und Restaurants des Platzes lautet das Motto „Sehen und Gesehenwerden“. Athens Haupteinkaufsstraße ist aber die Ermou. In dieser Fußgängerzone mit vielen Geschäften steht die byzantinische Kreuzkuppelkirche Kapnikarea aus dem 11. Jahrhundert wie eine Oase der Ruhe im hektischen Großstadttreiben. Immer wieder besuchen mit Einkaufstüten bepackte Passanten die winzige Kirche, bekreuzigen sich und finden zumindest für einige Momente zu innerer Einkehr.
In der Altstadt
Das neue olympische Gelände in Athen: Arenen kompakt beieinander
Das neue olympische Gelände in Athen: Arenen kompakt beieinander
Überhaupt macht das Bummeln durch Athen wieder Spaß. Seit diesem Jahr kann man vom Tempel des Olympischen Zeus unterhalb der Akropolis bis zur antiken Agora und dem Keramikos-Friedhof durch eine weitläufige Fußgängerzone schlendern. Überall laden Straßencafés und Restaurants zum Verweilen ein. Die größte Kneipendichte verzeichnet Athens romantisches Altstadtviertel, die Plaka. Dank intensiver Restaurierungsarbeiten in den letzten Jahren erstrahlen die meisten der alten Bürgerhäuser wieder in altem Glanz. Die engen Gassen befinden sich fest in touristischer Hand. Neben überteuerten Tavernen gibt es Souvenirläden, die Kitsch für jeden Geldbeutel anbieten.
Es gibt aber auch stillere Sträßchen und Läden mit ansprechenden landestypischen Produkten. Schnell verläuft man sich im Labyrinth dieser verschachtelten Gässchen, aber die Orientierung ist einfach. Schließlich thront über dem Altstadtviertel die mächtige Akropolis. Das Ensemble aus Parthenon, Erechtheion, Nike-Tempel und Propyläen ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, es symbolisiert auch die Idee der athenischen Demokratie. Nach dem Sieg über die Perser, die 480 v. Chr. die Akropolis zerstört hatten, entschieden die Bürger in Volksversammlungen über die Gestalt der Tempel. Im Mittelalter wurden Kapellen und Kirchen eingebaut. Unter der türkischen Herrschaft entstand im Parthenon eine Moschee mit Minarett, und das Erechtheion wurde in einen Harem verwandelt. Erst 1834 erklärte der aus Bayern importierte König Otto die Akropolis zur schutzwürdigen Zone. Aus dem in Jahrtausenden gewachsenen Ensemble wurde ein musealer Bezirk. „Wie vor 2 400 Jahren ist der Burghügel auch heute wieder eine Baustelle“, erklärt ein Touristenführer. Seit fast 30 Jahren laufen Restaurierungsarbeiten, um die durch zerstörerische Umwelteinflüsse gefährdeten Bauwerke zu retten. Eigentlich sollten die Gerüste pünktlich zur Olympiade fallen, aber daraus wird nichts. Frühestens 2006 sollen die Arbeiten beendet sein. „Die Akropolis steht doch schon seit Jahrhunderten hier, da ist es unerheblich, ob die Bauarbeiten noch drei oder fünf Jahre dauern“, meint der Guide. Detlef Berg



Wachwechsel der Evzonen Fotos: Detlef Berg
Wachwechsel der Evzonen Fotos: Detlef Berg
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Informationen: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Neue Mainzer Straße 22, 60311 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/2 57 82 70, Fax: 0 69/ 25 78 27 29, E-Mail: info@gzf-eot.de.
Anreise: Athen per Flug direkt von verschiedenen deutschen Airports.
Übernachtung: Das zu den Leading Hotels of the World gehörende King George II ist nach Sanierungsarbeiten wieder eröffnet worden (Doppelzimmer ab 225 Euro).
Wer einen Städteurlaub mit einem Strandurlaub kombinieren will, kann sich für das 40 km außerhalb von Athen auf einer Halbinsel gelegene Hotel Lagonissi entscheiden. Buchungen über The Leading Hotels of the World, Berliner Straße 44, 60311 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/13 88 51 00, Fax: 0 69/13 88 51 40.
Angebote: Hotels in Athen sind relativ teuer. Insbesondere während der Olympischen Spiele muss mit erheblichen Preisaufschlägen gerechnet werden.
Für die Olympischen Spiele bietet Dertour GmbH als Generalagent für den Verkauf von Eintrittskarten noch einige Arrangements mit Unterkunft auf dem Hotelschiff AIDAura einschließlich Eintrittskarten. Informationen in Reisebüros oder bei Dertour „live“. Telefon: 01 80/5 33 72 00, Fax: 0 69/ 95 88 55 66, E-Mail: live@dertour.de.

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