ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1996Wissenschaft: Echte Alternative

SPEKTRUM: Leserbriefe

Wissenschaft: Echte Alternative

Panzner, Bruno

Zu dem Kommentar "Von der Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit unserer Universitäten" von Prof. Dr. med. Wolfgang Forth in Heft 40/1996 und den Leserbriefen dazu in Heft 44/1996
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LNSLNS . . . Im Gegensatz zu Prof. Forth vertrete ich die Ansicht, daß der Kleingruppenunterricht in der Medizin sicher eine echte Alternative zum bis jetzt praktizierten Massenmanagement in den Hörsälen darstellt. Wer jemals ein naturwissenschaftliches Studium absolviert hat, kann dies bestätigen. In Massenveranstaltungen mit mehr als 100 Studenten, in denen von habilitierten Assistenten mit Informationen überladene Dias projiziert und vorgelesen werden – Vorlesung –, kann von Wissensübermittlung oder Anleitung zu selbständigem Arbeiten keine Rede sein. Die Forderung von Prof. Forth nach dem Verarbeiten und dem Verständnis wissenschaftlicher Sachverhalte ist sicher nirgendwo so konsequent umzusetzen wie eben im Kleingruppenunterricht . . .
Nicht erst in 10 bis 20 Jahren fallen die Früchte des heutigen Lehrverhaltens vom Baum, sie faulen bereits heftig vor sich hin, denn Weiterbildungsengpässe gibt es bereits seit Jahren, auch wenn Prof. Forth dies anders sieht. Dies ist nicht nur auf die politische Lage zurückzuführen, sondern liegt auch in der Weiter­bildungs­ordnung der Medizin selbst begründet, die als Relikt aus alter Zeit bestenfalls Besitzstandswahrung garantiert. Keinesfalls aber hat diese Weiter­bildungs­ordnung etwas damit zu tun, fachübergreifendes Wissen zu fördern oder gar zu ermöglichen. Durch starre, verkrustete Strukturen ist ein interdisziplinärer Wechsel fast nicht möglich, oder er wird derart erschwert, daß jegliches Interesse daran im Keim erstickt wird.
Nach Prof. Forth muß man sich "davon freimachen, daß ein Dozent im Augenblick seiner Habilitation schon die Lehre beherrschen muß". Die Medizin hat leider genügend Beispiele produziert, die dies bestätigen und gleichzeitig belegen, daß die Habilitation allein weder ausreicht, bestimmte Sachverhalte verarbeiten noch sie lehren zu können. Auch wenn man dies nicht pauschalisieren sollte, muß dennoch die Frage erlaubt sein, ab wann diese Qualifikation als Voraussetzung für den Lehrbetrieb einzufordern ist . . .
Dipl.-Ing. Dr. med. Bruno Panzner, Wielandstraße 7, 53173 Bonn
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