ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1996Weiterbildung: Problem mit Anerkennung

SPEKTRUM: Leserbriefe

Weiterbildung: Problem mit Anerkennung

Dickmans, Christoph; Knuth, Peter

Zu dem Kommentar "Vier Jahre Weiterbildung: Eine kritische Zwischenbilanz" von Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe in Heft 39/1996
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LNSLNS . . . Ihr Artikel beginnt mit der Feststellung, daß die deutsche Weiter­bildungs­ordnung in ihrer Form von 1992 als die fortschrittlichste und modernste in Europa angesehen und von einigen Ländern sogar als Vorbild genommen wird. Auch ich war zum Zeitpunkt meines Umzugs nach Italien der Ansicht, daß meine Weiterbildung als Internist mit dem Teilgebiet Gastroenterologie, die ich im Kammerbereich Nordrhein abgeschlossen hatte, durchaus europäischen Standards entspräche. Leider mußte ich im Verlauf der Anerkennungsverfahren für meine Facharzttitel feststellen, daß aufgrund der EG-Verordnung 93/16, welche vom italienischen Ge­sund­heits­mi­nis­terium als alleinige Grundlage zur Anerkennung von Facharztbezeichnungen aus Ländern der Europäischen Union verwendet wird, die Anerkennung meiner Teilgebietsbezeichnung für Gastroenterologie nicht möglich ist. Da die Verordnung 93/16 nur Gebietsbezeichnungen enthält, wurde mir lediglich meine Ausbildung zum Arzt für Innere Medizin anerkannt.
Nach meiner Information kann die Ärztekammer Nordrhein für kein Teilgebiet der Inneren Medizin und wahrscheinlich auch nicht der Chirurgie Äquivalenzbescheinigungen nach EG-Verordnung 93/16 ausstellen. Es werden also nicht nur Gastroenterologen, sondern auch Kardiologen, Nephrologen, Onkologen, Pneumologen etc. sowie wahrscheinlich auch Unfallchirurgen, Gefäßchirurgen, plastische Chirurgen keine Anerkennung ihrer Weiterbildung bekommen.
Das Problem betrifft im Moment wahrscheinlich nur wenige Einzelfälle. Es ist aber absehbar, daß im Zuge einer zunehmenden Mobilität innerhalb Europas immer mehr deutsche Ärzte mit Teilgebietsbezeichnungen betroffen sein werden.
Es stellt sich die Frage, warum denn die Teilgebietsbezeichnungen nicht in der Verordnung enthalten sind. Handelt es sich um einen Fehler der europäischen Gesetzgebung, oder entspricht die deutsche Weiterbildung nicht vorbestehenden europaweiten Normen? Wer ist zuständig, um hier Abhilfe zu schaffen?
Dr. med. Christoph Dickmans, Via Schiassi 9, I-40138 Bologna


Die Bundes­ärzte­kammer nimmt dazu wie folgt Stellung:


In dieser Richtlinie wird nur auf die gegenseitige Anerkennung von Gebietsbezeichnungen abgestellt. Teilgebietsbezeichnungen (in der neuen Terminologie Schwerpunktbezeichnung), wie im deutschen Weiterbildungsrecht, kennt das Europäische Recht als migrationsfähigen Weiterbildungsabschluß nicht.
Das Teilgebiet/Schwerpunktsystem ist in dieser Form nur in Deutschland bekannt. Was Ihnen als Nachteil erscheint, ist jedoch auch von Vorteil, da Sie jederzeit mit der Gebietsbezeichnung migrieren können, die dem Teilgebiet/Schwerpunkt zugeordnet ist, in Ihrem Fall als Internist. Um in der Zukunft zu erreichen, daß Deutsche sowohl als Internisten als auch unter der Bezeichnung des Teilgebiets/Schwerpunkts migrieren können, stehen wir derzeit in Verhandlungen, eine entsprechende Bestimmung in die EG-Richtlinie 93/16 EWG aufnehmen zu lassen.
Dieses Ergebnis ist jedoch noch nicht konkret ausgereift und mittelbar. Sicherlich werden wir nach positivem Verhandlungsabschluß in geeigneter Weise, beispielsweise über das Deutsche Ärzteblatt, auf die Neuerung hinweisen.
Dr. med. Peter Knuth, BÄK

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