ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1996Abtreibung und Selbstbestimmung

SPEKTRUM: Bücher

Abtreibung und Selbstbestimmung

Kuhlmann, Andreas

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LNSLNS Abtreibung
Wandel der Erfahrungen
Andreas Kuhlmann: Abtreibung und Selbstbestimmung. Die Intervention der Medizin, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1996, 238 Seiten, kartoniert, 24,80 DM
In fast allen westlichen Staaten ist in den letzten Jahren die Abtreibungspraxis liberalisiert worden. Es ist leichter und ungefährlicher für Frauen, ihre Schwangerschaft abzubrechen, obwohl diverse Personen und Institutionen Recht auf Mitentscheidung haben. Schwierig kann auch werden, einen zum Abbruch befugten oder bereiten Arzt zu finden. Schließlich ist die Kostenübernahme durch eine Krankenkasse oder einen Gesundheitsdienst ein Indiz für die Akzeptanz der Abtreibung in der Gesellschaft. Es ist aber nicht so, daß eine Frau, die ihr Kind nicht zur Welt bringen will, ohne jede Schwierigkeit die Schwangerschaft beenden lassen könnte.
Neue diagnostische, prognostische und therapeutische Verfahren haben zudem zu einer Wandlung konkreter Erfahrungen der Graviden im Vergleich zu denjenigen vergangener Generationen geführt, aber oft auch zu einer anderen Beziehung zwischen der Schwangeren und dem heranwachsenden Foetus. Ob die neuen Möglichkeiten medizinischer Intervention von der Frau tatsächlich als Fremdbestimmung erfahren werden, wie das von feministischer Seite behauptet wird, hängt von vielen Faktoren ab, die nach einer Diskussion über den Status des vorgeburtlichen Menschenlebens in diesem Buch ausführlich erörtert werden. Wenn es erlaubt sein soll, Leben in einem frühen Entwicklungszustand zu töten, kann man dann das Instrumentalisieren von Embryonen ablehnen oder sogar bestrafen?
Man kann zwar die Abtreibung prinzipiell für ein moralisches Übel halten und sie trotzdem aus bestimmten Gründen rechtfertigen. Die freie Entscheidung der Schwangeren wird in den folgenden Kapiteln ausführlich diskutiert. Außerdem läßt sich der Anspruch auf "reproduktive Autonomie" nicht vereinbaren mit der Ablehnung der Abtreibung. Erstaunlich ist allerdings nur, daß nichts über die Rolle des Erzeugers gesagt wird. Ein lesenswertes Buch für alle, die mit Schwangeren und deren Problemen zu tun haben; dazu gehören auch solche Ärzte, die den Abbruch der Schwangerschaft nicht vornehmen.
Elisabeth Trube-Becker,
Neuss
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