ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2004Stammzellbericht: Trügerische Ruhe
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LNSLNS So mühsam auch vor zwei Jahren um das Stammzellgesetz gerungen wurde – lange wird dieser „ethische Damm“ dem steten Druck seiner Gegner wahrscheinlich nicht standhalten können. Erster Angriffspunkt wird wohl die Stichtagsregelung sein. Denn die importierten Stammzelllinien, die nach dem Gesetz vor dem 1. Januar 2002 gewonnen sein müssen, können mit tierischen Erregern verseucht sein. Jüngere Stammzellkulturen sind hingegen nie mit tierischen Feeder-Zellen in Berührung gekommen und könnten daher im Erfolgsfall auch für den klinischen Einsatz zugelassen werden.
Zurzeit jedoch muss man keine Gesetzesänderung befürchten. Das tendenziell eher „forschungsfreundliche“ Regierungslager verhält sich ruhig. Unisono erklärten jüngst Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt und Bun­des­for­schungs­minis­terin Edelgard Bulmahn, das Stammzellgesetz habe sich bewährt. Das Genehmigungsverfahren zum Import von embryonalen Stammzelllinien nach Deutschland „bewahre hohe ethische Standards und schaffe sichere Bedingungen für die Forschung“, kommentierten sie den ersten Stammzellbericht der Bundesregierung, veröffentlicht Ende Juli. Auf 16 Seiten gibt er einen Überblick über die zwischen Juli 2002 und Dezember 2003 gestellten Anträge und den derzeitigen Stand der Stammzellforschung.
Sieben gestellte und fünf genehmigte Forschungsanträge lassen zwar keinen Run auf dieses Forschungsgebiet vermuten – zumindest nicht in Deutschland. International steigt jedoch die Zahl der Publikationen und die Bedeutung der stammzellbasierten regenerativen Medizin. Und die Stimmen der deutschen Wissenschaftler, die rechtliche Probleme bei der Zusammenarbeit mit Forschergruppen im Ausland beklagen, werden lauter. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft fordert, die gesetzlichen Grenzen zu überdenken.
Schmidt und Bulmahn schweigen. Beide sind mit Gerüchten konfrontiert, sie würden im Kabi-nett ausgewechselt. Der Bun­des­for­schungs­minis­terin, die sonst aus ihrem Wunsch, das Stammzellgesetz auszuweiten, auch öffentlich keinen Hehl macht, wird auch der Streit um die Spitzenuniversitäten und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Juniorprofessuren schwer zu schaffen machen.
Der Bericht und die wohlwollende Bewertung der Ministerinnen darf über eines nicht hinwegtäuschen: Das letzte Wort ist über das Stammzellgesetz noch nicht gesprochen. Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann
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