ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2004Grundsätze der Bundes­ärzte­kammer zur ärztlichen Sterbebegleitung: „Natürlicher Wille“

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Grundsätze der Bundes­ärzte­kammer zur ärztlichen Sterbebegleitung: „Natürlicher Wille“

Dtsch Arztebl 2004; 101(33): A-2236 / B-1869 / C-1800

Dörner, Klaus

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Die behutsame Weiterentwicklung der Sterbebegleitung-„Grundsätze“ ist zu begrüßen. Lediglich die „Bindung“ an die Patientenverfügung (PV) scheint mir noch zu einseitig ausgefallen zu sein. Denn einmal stimmt es nachdenklich, dass trotz aller Werbung ca. 90 % der Bürger auch in der letzten Lebensphase lieber frei von solcher Zukunfts-„Bindung“ bleiben und damit eher auf das Gespräch aller Beteiligten in der konkreten Situation vertrauen wollen; und von denen, die eine PV unterschreiben, wird ein zunehmender Teil bei der Heimaufnahme von der Heimleitung dazu genötigt, was das Gegenteil der ursprünglichen Absicht ist.
Zum anderen muss der Arzt, will er denn ein verantwortliches und verlässliches, also autonomes Gegenüber des (sterbenden) Patienten bleiben, von der – zweifellos bedeutsamen – PV auch abweichen können. Und dies nicht nur aus den in den „Grundsätzen“ richtig benannten beiden Gründen, sondern auch weil er den „natürlichen Willen“ des Patienten, den dieser auch komatös mit seiner Körpersprache ausdrückt, zu beachten und zu gewichten hat. Hier wäre der von dem Juristen Professor Taupitz vorgeschlagene Hinweis hilfreich, dass der Arzt, will er von der PV abweichen, dafür „begründungspflichtig“ ist, worin ja gerade seine Verantwortung in jedem nichtverallgemeinerungsfähigen Einzelfall zum Ausdruck kommt. Im Übrigen hat der „natürliche Wille“ auch gegenüber dem „mutmaßlichen Willen“ sein eigenes Gewicht.

Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner
Nissenstraße 3, 20251 Hamburg
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