ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2004Selbstmord: Korrektur zu zwei Aussagen
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LNSLNS Es erscheint angemessen, den Suizid bei Depressionen verschiedener Ätiologien als Selbsttötung und nicht als Selbstmord zu bezeichnen. Aus der grundsätzlichen Verantwortung dem Leben des Nächsten wie dem eigenen gegenüber hat das Christentum den „Selbstmord“ als widernatürlich und gegen die Liebe verstoßend verurteilt. Denn Autonomie ist nicht solipsistisch misszuverstehen, der Christ sieht sie eingebunden in Solidarität und der Theonomie nachgeschaltet. Der Aufklärer I. Kant argumentierte in seiner „Metaphysik der Sitten“ ähnlich: „Das Subjekt der Sittlichkeit in seiner eigenen Person zernichten, ist ebensoviel als die Sittlichkeit selbst ihrer Existenz nach, soviel an ihm ist, aus der Welt vertilgen, welche doch Zweck an sich selbst ist.“ Besiegte Krieger stürzten sich einst „ehrenvoll“ ins Schwert, noch vor 100 Jahren erschossen sich Elitäre aus verletztem Ehrgefühl, auch wenn es um Lappalien ging. Demgegenüber verdankt sich das Verständnis psychischer Erkrankungen mit Minderung von Willensfreiheit und Verantwortlichkeit der Wissenschaftserkenntnis einer späteren Zeit und führte dann zu theologisch differenzierter Beurteilung. Zwei Aussagen des Artikels sind aber zu korrigieren. „Zum Leben gehört das Sterben“ – doch nicht mehr „der Tod“; das hat schon Epikur auf seine Weise geklärt. Völlig unverständlich bleibt, wie die qualvolle Folterung und Tötung christlicher Märtyrer und die Kreuzigung des Jesus von Nazareth durch staatliche Instanzen in die Rubrik „Selbsttötung“ gezwängt werden sollen. Will Prof. Helmich auch den gewaltsamen Tod von Alfred Delp, Dietrich Bonhoeffer und der Geschwister Scholl als „Selbsttötung“ einordnen, als diese für ihre Überzeugung „sehenden Auges und aus freien Stücken in den sicheren Tod“ gingen?
Dr. med. Dr. theol. h. c. Maria Overdick-Gulden,
Markusberg 24e, 54293 Trier
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