ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1996Monotherapie mit Meropenem: Hohe Effizienz auch bei Neutropenie

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Monotherapie mit Meropenem: Hohe Effizienz auch bei Neutropenie

Gabler-Sandberger, Elisabeth

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LNSLNS Patienten mit hämatologisch-onkologischen Grundkrankheiten machen im Rahmen der antineoplastischen Therapie Phasen schwerer Neutropenie durch. Abhängig von Grundkrankheit, Schweregrad und Dauer der Neutropenie bestehen hohes Infektionsrisiko und die Gefahr einer Sepsis.
Die wegen ihrer hohen Letalität gefürchteten gramnegativen Infektionen bei neutropenischen Patienten gaben Anlaß zur Entwicklung empirischer antimikrobieller Therapieregime. Dieses Prinzip hat bis heute Gültigkeit. In der Palette der Infektionserreger dominieren heute jedoch bei dieser Patientengruppe grampositive Erreger, vor allem Staphylokokken und Streptokokken. Als Alternative für die Standard-Kombination eines bLaktamantibiotikums mit einem Aminoglykosid wurde die – weniger durch Toxizität belastete – Monotherapie mit einem pseudomonaswirksamen Drittgenerationscephalosporin oder einem Carbapenem im Vergleich mit Standardtherapien in umfangreichen Studien geprüft. Nach Prof. Michel Glauser (Universität Lausanne) ist die Monotherapie vor allem für Patienten geeignet, bei denen eine relativ kurzdauernde neutropenische Phase erwartet werden kann.
Auf dem 19. Internationalen Kongreß für Chemotherapie in Montreal stellte Glauser im Rahmen eines
Satellitensymposiums der Zeneca Pharmaceuticals die erste kontrollierte Studie vor, in der das neue Carbapenem Meropenem bei neutropenischen Patienten im Vergleich zu Ceftazidim plus Amikacin geprüft wurde. Die Studie wurde von der Internationalen kooperativen Gruppe für antimikrobielle Therapie (ATCG) der EORTC (Europäische Organisation für die Erforschung und Therapie von Krebs) durchgeführt.


Auswertungen
Die Studie umfaßte 958 neutropenische auswertbare Patienten (795 Erwachsene und 193 Kinder), von denen 59 Prozent an Leukämie, 18 Prozent an einem malignen Lymphom und die übrigen an einem soliden Tumor litten. Die Neutropeniephase mit neutrophilen Granulozyten unter 1 000/ml dauerte im Median 16 (einen bis 79) Tage. Bei Infektionsverdacht mit Fieber von > 38 C wurde nach Randomplan intravenös entweder ein Gramm Meropenem (Kinder 20 mg/kg KG) i.v. dreimal täglich oder die Kombination Ceftazidim, zwei Gramm (Kinder 35 mg/kg KG) i.v. dreimal täglich plus Amikacin (20 mg/kg KG Kinder und Erwachsene) i.v. einmal täglich appliziert. Von 483 auswertbaren Patienten der Meropenem-Gruppe sprachen 270 (56 Prozent) auf die Therapie an, in der Ceftazidim- plus Amikacin-Gruppe 245 von 475 (52 Prozent). Eine Zusatztherapie mit einem Glykopeptidantibiotikum wurde in der Meropenem-Gruppe in 160 Fällen (33 Prozent), in der Vergleichsgruppe in 182 Fällen (38 Prozent) eingesetzt, ein Antimykotikum in 112 (23 Prozent) beziehungsweise 119 (25 Prozent) Fällen. Während der Studienphase verstarben 24 (fünf Prozent) der Patienten der Meropenem- und 22 (fünf Prozent) der Patienten der Ceftazidim-Amikacin-Gruppe, acht beziehungsweise dreizehn der Todesfälle wurden in kausalen Zusammenhang mit der Infektion gebracht.
Bei Auswertung der mikrobiologisch dokumentierten Infektionen wurden Ansprechraten von 42 Prozent in der Meropenem- und von 32 Prozent in der Vergleichsgruppe ermittelt. Vergleichbar waren die Erfolgsraten bei Bakteriämie. Dabei hatten grampositive Monoinfektionen in 31 bzw. 26 Prozent und gramnegative Monoinfektionen in 70 bzw. 54 Prozent angesprochen.
Unterschiede bestanden in der Anzahl nephrotoxischer Nebenwirkungen mit einem Fall in der Meropenem- und sechs Fällen in der Ceftazidim-Amikacin-Gruppe sowie Hörschädigung bei null bzw. zwei Patienten. Mehr als eine unerwünschte Nebenwirkung wurde unter Meropenem in 19 von 516 und unter Vergleichstherapie in 31 von 511 Fällen beobachtet. Die Monotherapie mit Meropenem zur empirischen Behandlung von neutropenischen Patienten kann nach Glauser als ebenso effizient und gut verträglich angesehen werden wie die Kombination Ceftazidim/Amikacin.
Dr. med. Elisabeth Gabler-Sandberger

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