VARIA: Post scriptum

Lidkrampf beidseits

Redelin, D.

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Folgenden Arztbrief schickte Dr. med. D. Redelin, Dieburg, der Redaktion des Deutschen Ärzteblattes, als „nicht ganz ernst zu nehmenden, aber irgendwie sympathischen Beitrag“:

Sehr geehrte Kollegen, vielen Dank für die freundliche Überweisung. Nachfolgend berichte ich über o. a. Pat., die ich am 17. 5. 04 untersucht habe.

Diagnose: Blepharospasums

Anamnese: Seit Herbst letzten Jahres habe sie einen Lidkrampf beidseits – sie müsse sich anstrengen, die Augen wieder aufzumachen – man könne das „testen“ meinte die Pat. – und man könne das unterspritzen! Sie habe hohen Blutdruck und Trimipramin v. HA, was sie nur selten versucht habe. – Die Anamnese ist in der Tat typisch, aber gesehen habe ich das Phänomen nicht, das vor allem abends am FS und in Gegenwart mehrerer Personen auftrete. Am Tage habe sie es oft gar nicht, nachts auch nicht. Bei der Politik (im FS) mache sie schon die Augen zu. Ehemann vor 9 J. verstorben.

Befund: Unauffällig zum U-Zeitpunkt (wie bekannt). Unbekannt ist lediglich, warum Pat., die klinisch unauffällig sind, immer wieder untersucht werden sollen? Was soll das eigentlich? Ich habe anderes zu tun!

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Beurteilung: Es ehrt mich zwar, dass Sie meinen Befundbericht anfordern – aber ich weiß leider nicht, warum ich andauernd zu Banalitäten Stellung nehmen soll, die noch dazu allenfalls anamnestisch zu erfassen sind, wer soll davon klüger werden, und mich kostet es das letzte bisschen meiner verbliebenen Freizeit und Lebensfreude. Ist es das, was Sie damit bezwecken, wollen Sie die Ressourcen dieses Medizinbetriebes an ihre Grenzen führen?
Zeichnungen:Ralf Brunner
Zeichnungen:Ralf Brunner
Wenn Sie nicht wollen, dass auch ich in Zukunft die Augen verfrüht zumache – und zwar nicht bei der Politik im FS, dann verschonen Sie mich bitte mit solchen unsinnigen Anfragen!

Therapievorschlag: Empfehlung gegen 18 Uhr 25 mg Trimipramin zu nehmen – wie vom HA vernünftigerweise vorgeschlagen – und unnötigen Medizinaltourismus gefälligst zu unterlassen!

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