ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2004Tropenmedizin: Arbeitsmedizin auf Madagaskar

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Tropenmedizin: Arbeitsmedizin auf Madagaskar

Dtsch Arztebl 2004; 101(34-35): A-2299 / B-1930 / C-1857

Neuber, Michael

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In einigen Gebieten Afrikas, wie hier in der Ashanti-Region in Ghana, sind fast 100 Prozent der Bevölkerung mit Malaria infiziert. Foto: laif
In einigen Gebieten Afrikas, wie hier in der Ashanti-Region in Ghana, sind fast 100 Prozent der Bevölkerung mit Malaria infiziert. Foto: laif
Um Mitarbeiter reisemedizinisch beraten zu können, benötigen Ärzte entsprechende Erfahrungen.

Eine Voraussetzung für die Ermächtigung nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 35 „Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen und gesundheitlichen Bedingungen“ ist ein mindestens 14-tägiger entsprechender Auslandsaufenthalt. Ein Anbieter solcher wissenschaftlichen Reisen ist Dr. med. Johannes Wantzen. Der Tropenmediziner hat vier Jahre lang für die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Mahajanga auf Madagaskar gearbeitet. Kontakte zur dortigen Universitätsklinik und anderen Krankenhäusern, zur GTZ, zu den Behörden und zu einem arbeitsmedizinischen Zentrum ermöglichen den Teilnehmern seiner Kurse Einblicke in das Arbeitsleben und das Gesundheitswesen der mit 250 000 Einwohnern drittgrößten Stadt Madagaskars. Mahajanga liegt an der Nordwestküste, die Temperaturen liegen bei 35 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit beträgt 90 Prozent. Die Anforderung „unter besonderen klimatischen Bedingungen“ ist mithin erfüllt.
Der Fortbildungskurs besteht aus Vorträgen, Besichtigungen von Gesundheitseinrichtungen und Arbeitsplatzbegehungen. Die Vorträge behandeln gesundheitliche und soziale Aspekte eines Arbeitseinsatzes in den Tropen, Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Tropen- und Reisekrankheiten wie Malaria, Bilharziose, Pest, Cholera, Filariosen, Trypanosomiasis und Wurmerkrankungen, Impfungen, Flugreisemedizin, Aspekte der Tauchmedizin, Gifttiere und Vergiftungen sowie reisemedizinisch relevante Hauterkrankungen. Seminarleiter sind deutsche und Deutsch sprechende madagassische Ärztinnen und Ärzte. Dabei wird klar, was den entsandten Mitarbeiter in medizinischer Hinsicht auf Madagaskar erwartet – ein für den beratenden Betriebsarzt wichtiges Kriterium in der reisemedizinischen Sprechstunde.
Zu den Besichtigungen zählen Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung, aber auch die Universitätsklinik Mahajanga. Diese verfügt über fast alle Abteilungen der operativen und nichtoperativen Medizin, ein modernes Labor, konventionelle Röntgenabteilung und Sonographie. Ein CT, MRT oder eine endoskopische Abteilung sucht man allerdings vergeblich.
Das arbeitsmedizinische Zentrum in Mahajanga versorgt neben 6 000 Arbeitnehmern auch deren Familienangehörige. Es verfügt über eine zahnärztliche, eine HNO- und eine gynäkologische Abteilung, ein modernes Labor, OP und eine Bettenstation. Die allgemeinmedizinische Ambulanz versorgt in erster Linie Atemwegsinfekte, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Malaria und andere Tropenkrankheiten.
Das Besichtigungsprogramm umfasst ferner je nach Verfügbarkeit zwei Crevetten verarbeitende Betriebe und eine Textilfabrik. Auffällig ist der relativ hohe Stand des Arbeitsschutzes. Anschauliche Piktogramme warnen vor Gefahren und fordern zu ergonomischem Arbeiten auf. Die Arbeiterinnen und Arbeiter tragen Schutzausrüstung. Die Hygienevorschriften in den Crevetten verarbeitenden Betrieben sind vorbildlich.
Der Kurs ist mit 20 Fortbildungspunkten auf das Diplom der Deutschen Tropengesellschaft anrechenbar: Ein Kurs aus der Praxis für die Praxis an einem für den Zweck idealen Ort. Informationen: Dr. med. Johannes Wantzen, Telefon: 01 70/7 60 16 88, www.tropendoktor.de. Dr. med. Michael Neuber
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