ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2004Schulmedizin und Komplementärmedizin – Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden Keine Hetze!

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Schulmedizin und Komplementärmedizin – Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden Keine Hetze!

Dtsch Arztebl 2004; 101(34-35): A-2312 / B-1940 / C-1867

Kubryk, D.

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LNSLNS . . . Ich habe kein Problem damit, meine kleinen Patienten parallel homöopathisch oder anderweitig komplementär behandelt zu wissen, bei ärztlichen wie nichtärztlichen Kollegen. Nicht hinnehmbar und destruktiv ist jedoch, wenn Patienten aktiv von der mühseligst erreichten Compliance bei nicht „populären“, wenn auch längst hochevidenzbasierten Therapien abgebracht werden. Beispiele: Antiinflammatorische Inhalationstherapie mit Steroiden beim Asthma bronchiale, stadiengerechte Neurodermitis-Therapie, Impfplan nach Empfehlungen der STIKO. Der zusätzliche Gesprächsbedarf zur „Wiedergutmachung“ der von Heilpraktikern etc., aber auch von manchen ärztlichen Kollegen erreichten Verunsicherungen beim Patienten beträgt täglich durchschnittlich 60 Minuten, eine Leistung, die auf Dauer hohe (und überflüssige) Kosten verursachen würde – wenn sie denn überhaupt honoriert würde.
Wenn ich richtig verstanden habe, umfasst Ihre Arbeitsgruppe nur Ärzte. Auch hier gibt es sicherlich ein Terrain von „Vogelfreiheit“ im Bereich außerhalb der Kassenzulassung, im privatärztlichen oder IGeL-Bereich. Nichtärztliche Therapeuten können noch weiter gehen: Sie brauchen sich offenbar überhaupt keiner Kontrolle und Verantwortung stellen – so etwas wie Kunstfehler, wie Aberkennung der Zulassung bei Nichterfüllung von Qualitätsstandards gibt es hier nicht –, eine ernste und tief klaffende Gesetzeslücke. Wer übernimmt die Kosten für ein überflüssigerweise entstandenes Lungenemphysem und Cor pulmonale nach aktiver Hetze gegen adäquate Asthma-Therapie? Je mehr hier Vogelfreiheit herrscht, umso unsinniger werden dafür die Reglementierungen in der kassenärztlichen „Schulmedizin“ – siehe QM! Sollten sich die Komplementärmediziner, wie in Ihrem Artikel angedeutet, um evidenzbasierte und gesicherte Leitlinien bemühen und ihre Arbeit in Sinne des Wortes komplementär nicht konträr zur Schulmedizin ausrichten, wäre eine Zusammenarbeit gewinnbringend und konstruktiv und geeignet, das Vertrauen der verunsicherten Patienten zurückzugewinnen. Die Akzeptanz gesicherter „schulmedizinischer“ Erkenntnisse (Beispiele s. o.) und die Verpflichtung, beim Patienten nicht Hetze hiergegen zu betreiben, ist allerdings Minimalvoraussetzung für eine Zusammenarbeit.
Dr. med. D. Kubryk
Marsstraße 30, 85609 Aschheim
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