ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2004Schulmedizin und Komplementärmedizin – Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden: Eindeutig Position beziehen

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Schulmedizin und Komplementärmedizin – Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden: Eindeutig Position beziehen

Dtsch Arztebl 2004; 101(34-35): A-2314

Wagner, Wolfgang

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LNSLNS Paramedizinische Prozeduren, fälschlich zur „Komplementärmedizin“ umetikettiert, nähren ihren Mythos aus den nicht einhaltbaren Versprechungen („ganzheitlich“, „Heilung“) ihrer Betreiber und aus deren unablässigen Vorwürfen an die Unzulänglichkeiten der etablierten Medizin.
In der Tat gibt es noch immer menschliche und fachliche Defizite in der modernen Medizin. Mangelnde Menschlichkeit ist aber mitnichten durch die zu Recht wissenschaftlich geprägte Denk- und Vorgehensweise verursacht. Und die nur durch mühsame wissenschaftliche Arbeit zu mindernden fachlichen Mängel können niemals durch alternative oder komplementäre Heilungsversprechen aufgefüllt oder ergänzt werden: der Beitrag dieser unwirksamen Prozeduren zum ungeheuren medizinischen Fortschritt der letzten (und kommenden) 100 Jahre ist praktisch gleich null! Dass manche Verfahren vom Gesetzgeber als „besonders“ hofiert werden und „Binnenkonsens“ als Legitimation für pseudomedizinischen Unsinn genügt, ist ein politischer, medizinischer und wissenschaftlicher Skandal! Den schlagenden, völlig hinreichenden Argumenten gegen die Paramedizin ist nichts hinzuzufügen – man denke an die trefflichen Veröffentlichungen der Arznei­mittel­kommission, an Jürgen Windeler, Irmgard Oepen, Johannes Köbberling oder Ernst Habermann.
„Komplementäre“ und wissenschaftlich ausgerichtete humane Medizin auf gleicher (Augen-)Höhe? Die Astrologie-Sternguckerei demnächst als gleichberechtigtes „Komplementärfach“ der physikalisch fundierten Astronomie?? Man ist geneigt, sich fassungslos an den Kopf zu greifen! Sowenig wie es eine „alternative Physik“ oder Chemie gibt, so wenig gibt es eine „alternative oder komplementäre Medizin“. Einen Pluralismus, der das einzig Richtige, nämlich das wissenschaftliche Prinzip um die offenkundigen Falschheiten spekulativer Mythen ergänzen will, kann es nicht geben. Die Verantwortlichen in den Ärztekammern und auch im DÄ müssen hier endlich wieder eine eindeutige Position beziehen, da sie sonst unter dem Deckmantel „Vielfalt“ ihre wissenschaftliche Grundlage verraten.
Dr. Wolfgang Wagner
Mühllachenring 22, 65597 Hünfelden
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